Wir nehmen Bezug auf unseren Bericht im Monatsdienst 09/2020, in dem wir über ein Urteil des Landgerichts (LG, Az.: 10 O 3894/17) München II zu den Hinweispflichten der Werkstatt beim Reifenwechsel informiert hatten. Das LG hatte entschieden, dass eine Kfz-Werkstatt, der ein Fehler beim Reifenwechsel unterläuft, nicht allein für darauf beruhende Schäden haftet, wenn sie den Kunden ordnungsgemäß darauf hingewiesen hatte, dass die Radmuttern nach einer Fahrstrecke von 50 km nachgezogen werden müssen, und der Kunde diesen Hinweis missachtet hat. Auf die hiergegen vom Kunden eingelegte Berufung hat das Oberlandesgericht (OLG, Az.: 7 U 2338/20) München zwischenzeitlich entschieden, dass den Kunden trotz eines solchen Hinweises der Werkstatt kein Mitverschulden an dem eingetretenen Schaden trifft.
Fazit:
1. Nach der Entscheidung des OLG München scheint ein ordnungsgemäßer Hinweis auf eine Kontrolle und/oder Nachziehen der Radmuttern nach einem Reifenwechsel, z.B. auf der Werkstattrechnung, rechtlich nicht erforderlich zu sein, weil er kein geeignetes Mittel ist, um im Falle der Missachtung des Hinweises ein Mitverschulden des Kunden zu begründen. Dennoch empfiehlt sich ein solcher Hinweis, um auch im Interesse des Kunden möglichen Schäden infolge des Lösens von Reifen vorzubeugen. Außerdem könnten geschädigte Kunden im Falle der Missachtung des Hinweises gerade wegen der Missachtung davon absehen, den Rechtsweg gegen die Werkstatt zu beschreiten.
2. Von einem Mitverschulden des Kunden ist nach einem Urteil des LG Heidelberg aus dem Jahr 2012 aber jedenfalls dann auszugehen, wenn der Kunde etwa auf die durch gelockerte Schrauben unvermeidlich auftretenden Geräusche nicht reagiert hat.