Mit einer coronabedingten, zeitlichen Verzögerung hat der Bundesverband Freier Tankstellen (bft) die Studie „Tankstellenmarkt 2019/2020“ veröffentlicht. Neben einem Überblick über alle Teilbereiche der Tankstelle zeigt die 60-seitige Analyse Chancen und Risiken sowie Erfolgskriterien für mittelständische Tankstellenbetreiber und Freie Tankstellen.
Dass die Studie einen Schwerpunkt auf die dieser Gruppe von Marktteilnehmern setzt, ist verständlich. Die Aussage hingegen, der Mittelstand könne „vom Konsolidierungsdruck der „Großen“ profitieren und neue Netzanteile gewinnen,“ lässt Fragen offen, beispielsweise: Warum soll es auf Dauer ein Erfolgsmodell für den Mittelstand sein, Stationen zu übernehmen, die für große Marken zu klein und zu absatzschwach sind? Vor allem, weil es im weiteren Textverlauf heißt: „Verblieben sind vor allem die Unternehmen, die es schaffen, mit den aktuell gestiegenen, aber immer noch vergleichsweise knappen Margen im Kraftstoffgeschäft positive Ergebnisse zu erwirtschaften. Zudem sind einige kleinere Tankstellenbetreiber verblieben, die nach wie vor an ihre langfristigen Grundstücksverträge sowie an frühere Investitionen gebunden sind.“
Ansonsten werden Themen wie die Netz- und Margenentwicklung, Kraftstoffabsätze sowie das Shop- und Waschgeschäft näher beleuchtet. Ein Kapitel widmet sich außerdem dem Zukunftspotenzial von Tankstellen.
Hier betonen die Studienautoren die wachsende Bedeutung der immer vielfältigeren Zusatzangebote an den Stationen. Dabei passen die Gesellschaften zunehmend ihr Sortiment den regionalen und lokalen Gegebenheiten an und nehmen gleichzeitig verstärkt neue Trends auf. Die Zusammenarbeit mit Paketlieferanten, das vielfältige Angebot an Convenience-Food und die Anbringung von Photovoltaik-Anlagen auf den Flachdächern der Stationen erhöhen das Zukunftspotenzial der Tankstellen weiter.
Herausforderungen für die Mineralölindustrie bleiben die regulatorischen Auflagen aus Deutschland und der Europäischen Union, die Pandemie, das Überangebot an Öl sowie der Klimawandel und die Verkehrswende. In einem eigenen Abschnitt erläutern die Autoren deshalb, wie die Politik die CO2-Emissionen senken will und auf welchem Stand sich Alternativen wie Elektromobilität, Erdgas, Wasserstoff und E-Fuels aktuell befinden.
Konkrete Daten zum Pandemie-Jahr 2020 werde allerdings erst die kommende Ausgabe der Scope-Analyse liefern, die in diesem Frühjahr erscheint.
Die Studie kann viel zum besseren Verständnis der Tankstellenbranche beitragen. Sie sollte jedem Bankmitarbeiter, der Tankstellenunternehmer finanziert, bekannt sein. Zudem stellt sie eine gute Erstinformation für Existenzgründer dar, die sich erstmalig mit den Gegebenheiten der Branche beschäftigen.
Die Branchenstudie kann auf www.kfz-bw.de unter Mitglieder / Unser Service für Mitglieder / Downloads / Monatsdienst heruntergeladen werden
(TS 100/Julia Cabanis)