Die Corona-Krise hat den dringenden Handlungsbedarf beim Ausbau der Digitalisierung an den Schulen im Südwesten offengelegt. „Entwicklungspotenziale und Defizite treten derzeit wie unter einem Vergrößerungsglas zutage“, erklärten Thomas Speck, Vorsitzender des Verbands der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen in Baden-Württemberg (BLV), und der zuständige Geschäftsführer der Arbeitgeber Baden-Württemberg, Stefan Küpper. Bei dem im Februar stattgefundenen Online-Kongress „Standortfaktor berufliche Bildung: Für eine erfolgreiche Transformation Baden-Württembergs“ haben die beiden Verbände im Hinblick auf die bevorstehende Landtagswahl in einer gemeinsamen Erklärung ihre Erwartungen an die Berufsbildung in der digitalen Transformation vorgelegt.
„Die Arbeitgeber Baden-Württemberg und der Berufsschullehrerverband erwarten von einer neuen Landesregierung, im Bildungsbereich den Schalter vom Notfall- auf den Innovationsmodus umzulegen“, sagten Speck und Küpper: „Nur so kann die Digitalisierung der Schulen in unserem Bundesland gelingen.“ Die Einrichtung einer belastbaren digitalen Infrastruktur in den Bildungseinrichtungen müsse dabei höchste Priorität haben. „Dazu gehören verbindliche Vereinbarungen mit den Schulträgern über die Qualität und Geschwindigkeit der Internetversorgung aller Schulen, eine alltagstaugliche und belastbare LAN- und WLAN-Struktur in den Schulen sowie pädagogische Server.“
Die Genehmigungsverfahren müssten dabei deutlich beschleunigt werden, damit die bisher nicht abgerufenen Mittel aus dem bundesweiten Digitalpakt Schule sowie weitere ergänzende Förderlinien endlich eingesetzt werden könnten, forderten die beiden Verbandsvertreter: „Außerdem brauchen wir gemeinsame Mindeststandards für die Digitalisierung aller Schularten, die die jeweiligen Besonderheiten der einzelnen Bildungsphasen berücksichtigen. Neben der technischen Ausstattung der Schulen bezieht sich das auch auf unverzichtbare pädagogische Standards zum Erwerb digitaler Kompetenzen als vierter Kulturtechnik.“
Auch nach Überwindung der Corona-Pandemie sollten hybride Modelle aus Präsenz- und Fernunterricht weiter im Schulalltag etabliert werden, unterstrichen Speck und Küpper: „Dazu muss ein Qualitätsrahmen für digitalen Unterricht entwickelt werden. Wir brauchen tragfähige Unterrichtskonzepte, die die Beziehungsebene im Unterricht und die digitalen Möglichkeiten in eine Balance bringen.“ Dabei sollten auch Angebote außerschulischer Partner einbezogen werden. Die Fortbildungsangebote für Lehrkräfte des landeseigenen Zentrums für Schulentwicklung (ZSL) und des Landesmedienzentrums (LMZ) müssten in diesem Bereich deutlich ausgebaut und auf die Erfordernisse der beruflichen Schulen zugeschnitten werden, forderten die beiden Verbandsvertreter: „Hybride Unterrichtsformen müssen zu einem zentralen Bestandteil der Lehrerausbildung werden und bereits im Studium verbindlicher Inhalt sein.“
Zur Unterstützung der Schulleitungen brauche es an jeder beruflichen Schule eine neue Stelle für einen Mitarbeiter, der die Umsetzung von Innovationen und die Digitalisierung des Unterrichts koordinieren solle, forderten Speck und Küpper: „Diese Koordinatoren sollen als Mitglied des Schulleitungsteams an jeder Schule ein Netzwerk nach innen und außen aufbauen. Neue Techniken und Software der Ausbildungsbetriebe können über diesen Weg kontinuierlich in die Berufsschulen gelangen.“
Die vollständige gemeinsame Erklärung der beiden Verbände finden Sie auf www.kfz-bw.de unter Mitglieder / Unser Service für Mitglieder / Downloads / Monatsdienst.
(872-00/Roland Blind)