Die 2017 in Kraft getretene Förderrichtlinie Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland wurde nach sechs Förderaufrufen und über 30.883 bewilligten öffentlichen Ladepunkten mit einem Fördervolumen von rund 300 Millionen Euro beendet, wie die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW GmbH) bekannt gegeben hat. Markengebundene Kfz-Betriebe konnten von diesem Förderprogramm nur wenig Gebrauch machen, weil Anträge aufgrund geltender Herstellervorgaben nicht bewilligt wurden (Subsidiaritätsprinzip).
Da die Ladeinfrastruktur aktuell als „Flaschenhals“ für den Markthochlauf der E-Mobilität gilt, wird in diesem Jahr eine Reihe von neuen Förderprogrammen aufgelegt, um das Ziel von sieben bis zehn Millionen zugelassenen E-Autos im Jahr 2030 zu erreichen. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) rechnet sogar mit bis zu 14,8 Millionen E-Fahrzeugen in 2030.
Daher haben wir Ihnen eine Übersicht der geplanten und aktuellen Förderprogramme auf Bundesebene zusammengestellt:
1. Neuauflage der Förderrichtlinie Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge
Nachdem das aktuelle Förderprogramm ausgelaufen ist, soll noch im Frühjahr eine Neuauflage mit einem erhöhten Fördervolumen von 500 Mio. Euro für die Errichtung von öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur folgen. Über etwaige Änderungen der Förderbedingungen sind bislang noch keine Details bekannt.
2. Förderprogramm für private Ladeinfrastruktur in Wohngebäuden
Seit dem 24. November 2020 können Privatleute, Mieter, Vermieter und Wohnungseigentümergesellschaften im Zuschussportal der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einen Zuschuss in Höhe von 900 Euro für Ladestationen an privat genutzten Stellplätzen von Wohngebäuden beantragen. Nach unseren Informationen steht das Fördervolumen in Höhe von 200 Millionen Euro kurz vor der Ausschöpfung. Wer noch von dieser Förderung profitieren möchte, sollte den Zuschuss schnellstmöglich beantragen. Die Bestellung und Montage der Ladestation darf ohnehin erst nach Bewilligung des Förderantrags (innerhalb von zehn Monaten) erfolgen. Alle relevanten Informationen sind auf der Webseite der KfW erhältlich.
3. Geplantes Schnellladegesetz (SchnellLG)
Das BMVI hat einen Entwurf für ein Schnellladegesetz vorgelegt, das die Rechtsgrundlage zur Ausschreibung von Schnellladeinfrastruktur darstellen soll. Ziel ist die Bereitstellung von flächendeckender Schnellladeinfrastruktur mit Ladeleistungen >100 kW im Mittel- und Langstreckenverkehr an 1.000 Standorten bis Ende 2023.
Die im Gesetzesentwurf enthaltenen staatlichen Vorgaben wie z.B. die Festlegung von Gebieten und die eigentumsrechtliche Trennung von Grundstücken und Ladeinfrastruktur führen dazu, dass die Errichtung von Schnellladepunkten an den eigenen Betriebsstätten für Autohäuser und Kfz-Werkstätten unattraktiv ist. Im dazugehörigen Beteiligungsverfahren hat das Kfz-Gewerbe entsprechend Stellung bezogen.4. Förderprogramm für nicht-öffentliche Ladeinfrastruktur zur gewerblichen Nutzung
Für den Sommer 2021 wurde ein Förderprogramm angekündigt, welches Ladepunkte im nicht-öffentlichen gewerblichen Bereich bezuschussen wird. Insgesamt soll ein Fördervolumen in Höhe von 350 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Aktuell ist davon auszugehen, dass es sich um einen anteiligen oder pauschalen Zuschuss wie beim Förderprogramm für private Ladeinfrastruktur in Wohngebäuden (siehe oben) handelt. Dieses Förderprogramm könnte für den Eigenbedarf von Kfz-Betrieben sehr interessant werden, um Lademöglichkeiten für Geschäfts- und Vorführwagen oder in der Werkstatt zu schaffen. Sobald die Förderbedingungen veröffentlicht sind, werden wir darüber gesondert informieren.
(062-00/Roland Blind)