Immer wieder gibt es in einer Kfz-Werkstatt Streit über die Höhe der für die Fehlersuche angefallenen Kosten; insbesondere dann, wenn diese im Vergleich zur erforderlichen Reparaturmaßnahme relativ hoch ausfallen. So auch in einem vom Oberlandesgericht (OLG, Az.: 12 U 177/19) Hamm entschiedenen Fall.
Fazit:
1. Ist die Höhe der vom Kunden zu zahlenden Vergütung der Werkstattleistung streitig, kann die Werkstatt den Nachweis, dass die abgerechneten Leistungen tatsächlich angefallen sind, durch Vorlage einer Rechnung führen, in der die konkret geleisteten Stunden (aufgeschlüsselt in Fehlersuche, Diagnose und Fehlerbeseitigung) und die Höhe des Stundenverrechnungssatz angegeben sind.
2. Die Werkstatt ist verpflichtet, auf eine wirtschaftliche Betriebsführung zu achten. Ihr Vergütungsanspruch ist aber nicht von vorneherein auf den erforderlichen Zeitaufwand begrenzt.
3. Die Werkstatt muss im Streitfall weder darlegen noch beweisen, dass die von ihr vorgenommenen Arbeiten erforderlich und angemessen waren. Vielmehr muss der Kunde konkrete Anhaltspunkte dafür vortragen, dass der von der Werkstatt abgerechnete Zeitaufwand nicht den Grundsätzen einer wirtschaftlichen Leistungsführung entspricht. Bloße Vermutungen ins Blaue hinein, genügen hierfür nicht.
4. Bei der Fehlersuche schuldet die Werkstatt keinen Erfolg. Eine Vergütungspflicht des Auftraggebers entsteht selbst dann, wenn die Werkstatt den Fehler nicht finden kann.
5. Kfz-Werkstätten dürfen sich bei der Fehlersuche und -beseitigung i.d.R. von den Herstellervorgaben und deren Diagnoseprogrammen leiten lassen. Das gilt insbesondere dann, wenn hierzu auf eine Datenbank zurückgegriffen wird, die aus Erfahrungsberichten und neuen Erkenntnissen gespeist wird und die zuverlässig nach den Regeln der Technik die wahrscheinlichsten Fehler anzeigt.
(934-14/Julia Cabanis)