Die britische EG Group darf die Standorte des österreichischen Anbieters OMV übernehmen – mit Abstrichen. Das Bundeskartellamt hat dem Betreiber der Esso-Tankstellen in Deutschland, der britischen EG Group, grünes Licht gegeben. Allerdings müssen insgesamt 48 Esso- und OMV-Tankstellen vor der Übernahme an andere Unternehmen verkauft werden.
„Die Übernahme sämtlicher OMV-Tankstellen in das Vertriebsnetz der EG Group hätte die Wettbewerbsbedingungen in vielen Regionen in Süddeutschland verschlechtert“, sagte der Präsident des Bundeskartellamtes Andreas Mundt. Die EG Group betreibt in Deutschland bereits 959 Tankstellen unter der Marke Esso. OMV bietet 285 Standorte zum Verkauf mit einem Schwerpunkt in Bayern und Baden-Württemberg.
In den Regionen Stuttgart, München, Rosenheim, Bad Herrenalb, Weil am Rhein, Lindau am Bodensee sowie im Raum Passau/Bayerischer Wald hätte eine vollständige Übernahme des OMV-Tankstellennetzes durch Esso nach Einschätzung des Kartellamtes einen deutlichen Anstieg der Marktkonzentration bewirkt. Es wäre zu befürchten gewesen, dass der Zusammenschluss dort zur Entstehung bzw. Verstärkung einer gemeinsamen marktbeherrschenden Stellungen der führenden Anbieter BP/Aral, Shell und EG Group geführt hätte. In den übrigen Regionen, in denen es OMV-Tankstellen gibt, ist hingegen eine größere Zahl von weiteren Wettbewerbern mit teilweise durchaus erheblichen Marktanteilen und einer gerade auch hinsichtlich der Preishöhe abweichenden Marktstrategie aktiv. Darüber hinaus ist die bisherige Marktstellung der EG Group bzw. die von OMV in einigen Regionen schwächer als in anderen.
Die Freigabe des Bundeskartellamtes steht unter der aufschiebenden Bedingung, dass 25 Tankstellen der EG Group und 23 OMV-Tankstellen in den problematischen Markträumen zunächst an dritte Unternehmen veräußert werden. An wen ist bisher noch nicht bekannt. Auch diesen Verkäufen muss das Bundeskartellamt zustimmen.
Die Frage ist auch, wie die Betreiber der betroffenen Esso-Stationen auf die Auflage des Kartellamts reagieren werden. Den Betreibern von OMV-Stationen wird die Zustimmung zum Vertragspartnerwechsel vermutlich leichter fallen, da sie ohnehin verkauft werden.