Gemischte Vorzeichen auf dem Automobilmarkt
Das Jahr 2022 steht unter turbulenten Vorzeichen: Die Lieferschwierigkeiten auf dem Neuwagenmarkt werden ebenso ein Thema bleiben wie Elektrifizierung – mit all ihren Herausforderungen für Handel, Endverbraucher, Infrastruktur und Automobilindustrie. Aus Sicht der bundesweiten Zulassungs- und Besitzumschreibungszahlen ist das Jahr 2022 verhalten positiv gestartet. Die Neuzulassungen liegen fast neun Prozent über dem Vorjahresmonat, der Gebrauchtwagenmarkt entwickelt sich mit einem Plus von knapp sechs Prozent weiterhin stabil. Speziell der Gebrauchtwagenmarkt läge deutlich stärker im Plus, wenn es mehr Gebrauchtwagen gäbe. Das macht sich besonders bei den Fahrzeugwerten, aber auch bei den Standtagen bemerkbar: Die Werte der dreijährigen Gebrauchtwagen liegen auf Rekordhöhe, und bei den Standzeiten (besonders bei Dieselfahrzeugen) setzt sich die kürzere Verweildauer auf den Höfen der Händler fort. In der Rückschau auf die beiden Corona-Jahre 2020 und 2021 waren die Schwankungen auf beiden vom KBA erfassten Märkten – bedingt durch Lockdowns und den damit verbundenen schwierigen Voraussetzungen wie beispielsweise geschlossenen Zulassungsstellen – sehr deutlich sichtbar. 2022, so sieht es derzeit aus, wird als Übergangsjahr für alle Beteiligten vermutlich kein einfaches Autojahr werden, verhaltener Optimismus ist aber geboten. Nicht aus dem Auge verlieren sollte man bei der Analyse des Automobilmarktes stets die getrennte Betrachtung von Bestand, Neuzulassungen und Besitzumschreibungen. Besonders bei den alternativen Antriebsarten sind die Neuzulassungen – gepusht durch Prämien und Steuervorteile – wesentlich stärker elektrifiziert als der Gebrauchtwagenmarkt oder der Bestand mit seinen rund 48 Mio. Pkw.
Neuzulassungen und Besitzumschreibungen über Vorjahr
Der Automobilmarkt begann das neue Jahr mit positiven Vorzeichen. Mit 184.112 Neuzulassungen (+8,5 Prozent) und 471.804 Besitzumschreibungen (+5,6 Prozent) konnte der Januar 2022 besser als der Vorjahresmonat starten. Vor einem Jahr herrschte allerdings noch ein flächendeckender Lockdown, daher sind die Zahlen nur bedingt vergleichbar. Betrachtet man die alternativen Antriebsarten, so waren zehn Prozent aller Neuzulassungen im Januar 2022 mit einem Plug-In-Hybridmotor (PHEV) ausgestattet, rein batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) erreichten elf Prozent. Anders verhielt es sich bei den Besitzumschreibungen: Dort waren nur ein Prozent PHEV und ein Prozent BEV. Somit bleibt der Gebrauchtwagenmarkt für elektrifizierte Pkw weiterhin sehr überschaubar.
Alternative Antriebe bislang nur unter Neuwagen ausgeprägt
Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) unterscheiden sich Neuzulassungen und Besitzumschreibungen sowie der Pkw-Bestand nach alternativen Antriebsarten deutlich: Bei den Besitzumschreibungen und im Pkw-Bestand machten Benziner den größten Anteil aus (fast zwei Drittel), Diesel erreichten rund ein Drittel, und alternative Antriebsarten kamen auf einen Anteil von fünf Prozent. Unter allen Neuzulassungen im Jahr 2021 waren dagegen 37 Prozent Benziner, 20 Prozent Diesel, und 43 Prozent zählten zu den alternativen Antriebsarten. Bei letztgenannten machen sich deutlich die staatlichen Förderprämien bemerkbar. Bis der Bestand, der von den Neuzulassungen gespeist wird, vollkommen elektrifiziert ist, wird es also noch einige Zeit dauern.
Diesel-Gebrauchtwagen stehen kürzer als Benziner
Beim Handel hat sich bereits Anfang 2021 eine Veränderung bemerkbar gemacht. Gebrauchte Diesel standen erstmals wieder kürzer als Benziner. Noch 2019 lagen die Standzeiten der Diesel deutlich über denen der Benziner, 2020 hat sich die Lage etwas entspannt, und 2021 sowie im Januar 2022 waren die Diesel-Gebrauchtwagen deutlich stärker nachgefragt als Benziner. Die Gründe hierfür sind vielfältig. So können das knappe Angebot an Diesel-Pkw insgesamt oder die hohen Benzinpreise für eine stärkere Nachfrage bei Dieselfahrzeugen sorgen. Derzeit steht ein Diesel-Gebrauchtwagen 77 Tage, ein Benzin-Gebrauchtwagen 89 Tage, bevor er verkauft wird.
Gebrauchtfahrzeugwerte steigen, Preisniveaus von Dieseln und Benzinern nähern sich wieder an
Nach dem Neustart im Jahr 2022 konnte der Handel seine Gebrauchtwagen erneut zu deutlich höheren Preisen verkaufen. Mit 64,5 Prozent des ehemaligen Listenneu-preises bei Benzinern und 62,3 Prozent bei Dieseln lagen beide Werte nochmals über dem Vorjahr. Der Trend der gestiegenen Preise hat sich bereits seit dem 2. Halbjahr 2021 abgezeichnet. Die Situation auf dem Neuwagenmarkt (lange Lieferzeiten, Halbleitermangel) macht sich weiterhin auf dem GW-Markt bemerkbar, hinzu kommt die weiterhin knappe Ware aufgrund der nicht getätigten Neuzulassungen aus den Vorjahren.
Im Langzeittrend werden die seit der Diesel-Krise variierenden Gebrauchtfahrzeugwerte je nach Kraftstoffart sichtbar. Im Jahr 2017 entfernten sich Werte von Diesel- und Benzingebrauchtwagen um beinahe fünf Prozentpunkte voneinander. Während der Jahre 2018 und 2019 konnte eine parallele Entwicklung mit diesem Abstand beobachtet werden. Mit Beginn der Corona-Pandemie und der hohen Nachfrage nach Gebrauchtwagen begannen sich diese beiden Wertniveaus wieder anzugleichen – bei gleichzeitigem Anstieg auf Rekordhöhen.
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