Liegt es an den unsteten Zeiten? Fest steht: Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit Oldtimern. Auch 2021 stieg die Anzahl der Pkw mit H-Kennzeichen erneut um elf Prozent auf bundesweit fast 585.000 Exemplare. Doch wer kümmert sich um deren Wartung?
Der Trend hält seit Jahren an, jährlich wächst die Zahl der Fahrzeuge mit einem H-Kennzeichen um durchschnittlich zehn Prozent. Das „H“ steht für historisch, damit geschmückte Oldtimer müssen mindestens 30 Jahre alt sein und sich in gutem Zustand befinden, was vor Erteilung des Kennzeichens geprüft wird. Hinzu kommen weitere 8,6 Millionen Youngtimer – an der Schwelle zum Oldtimer, mindestens 20 Jahre alt, aber noch keine 30.
Ein schönes Hobby, und gar nicht mal so teuer. Denn statt sein Erspartes zinslos auf der Bank der Inflation preiszugeben, kann man es auch in die Garage stellen und gelegentlich damit fahren. Je nach Modell ist der Wertverlust gering bis nicht vorhanden, mitunter ergibt sich sogar ein kleiner Zuwachs. Voraussetzung dafür ist allerdings perfekte Pflege. Denn viele Oldtimer-Fans übersehen, dass alte Autos mehr Zuwendung benötigen als aktuelle. Manche zum Beispiel alle 2500 Kilometer einen Ölwechsel, also zwölfmal häufiger als manches moderne.
Doch welche Werkstatt kennt sich überhaupt noch mit Oldtimern aus? Antwort: ziemlich viele. Denn in der Kfz-Branche schauen die wenigsten Betriebe der Asche beim Erkalten zu, stattdessen tragen sie das Feuer weiter. Unterstützt von unserem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), der schon 2009 damit begonnen hat, altes Kfz-Wissen zu erhalten und interessierte Werkstätten zu kennzeichnen. Unter www.kfzgewerbe-oldtimer.defindet sich eine Übersicht.
Bis jetzt dürfen über 700 neben dem obligatorischen Schild „Meisterbetrieb der Kfz-Innung“ eine weitere Tafel mit dem Hinweis „Fachbetrieb für historische Fahrzeuge“ führen. Dem voraus geht eine Prüfung, in welcher das Personal Oldie-Know-How beweisen muss. Zusätzlich führt die Technische Akademie des Kfz-Gewerbes (TAK) getrennt für Azubis, Gesellen und Meister auch Seminare durch mit dem Ziel, Zusatzqualifikationen für die Instandsetzung von Old- und Youngtimern zu vermitteln. Wobei auf dem Lehrplan nicht nur vom Fortschritt überholte Bauteile wie Vergaser oder Unterbrecherzündung stehen, sondern auch tiefgreifende Themen wie Ethik bei der Restaurierung. Denn, auch das hat sich unter Oldiefreunden herumgesprochen, nichts ist so wertvoll wie der unwiederbringliche Originalzustand. Und die Fachbetriebe für historische Fahrzeuge sind fähig, diesen zu erhalten.