Der Bundesgerichtshof (BGH, Az.: VI ZR 271/19) hat zur Frage, ob ein Geschädigter auch fiktiv auf Neuwagenbasis abrechnen kann, sinngemäß folgendes entschieden:
Im Haftpflichtschadensfall kann der Geschädigte bei einer erheblichen Beschädigung an seinem fabrikneuen Fahrzeug mit einer Laufleistung von nicht mehr als 1.000 km nur dann eine sogenannte Abrechnung auf Neuwagenbasis verlangen, wenn er sein besonderes Interesse an der Nutzung eines Neufahrzeugs durch den Kauf eines solchen Neufahrwagens nachweist (Hinweis: Gleichzeitig auch Bestätigung der BGH-Rechtsprechung zur Abrechnung auf Neuwagenbasis).
Fazit:
Nach der aktuellen Rechtsprechung des BGH bleibt es zu Recht dabei, dass im Rahmen eines Kfz-Haftpflichtschadens mit einem Neufahrzeug (erheblicher Fahrzeugschaden, Lauleistung bis 1.000 km, Unfall bis zu einem Monat nach Erstzulassung) immer auch die sogenannte Abrechnung auf Neuwagenbasis in Betracht zu ziehen ist.
Allerdings stellt der BGH nochmals ausdrücklich fest, dass eine sog. fiktive Abrechnung auf Neuwagenbasis nicht möglich ist. Eine solche Neupreisentschädigung greift nur ein, wenn der Geschädigte nach dem Unfall ein Neufahrzeug erwirbt. Diese Pflicht zum Kauf eines Neufahrzeug stärkt den Neufahrzeug-Handel.
Der hier besprochene Fall ist von der Neupreisentschädigung im Kaskoschadensfall zu unterscheiden. In der Kaskoversicherung sind nämlich mitunter großzügigere Regelungen vereinbart, bei denen ggf. auch ältere Fahrzeuge bei einem Unfall noch auf Neupreisbasis entschädigt werden können. Deshalb sollte besonders (aber nicht nur) in den Fällen die Hilfe eines versierten Fachanwalts in Anspruch genommen werden.
(271-03/Julia Cabanis)