Der Energie Informationsdienst hat die von ihm erhobenen aktuellen Tankstellenzahlen zum Stichtag 1. Januar veröffentlicht. Erstmals seit Jahrzehnten zeigt die Bestandszahl einen höheren Wert als im Vorjahr. 14.100 Straßentankstellen bedeuten einen Zuwachs von netto neun gegenüber dem Vorjahresstichtag. Eine Trendwende ist damit jedoch nicht zwangsläufig verbunden. Zum einen haben die EID-Zahlen noch nie das komplette Netz erfasst (Die Zahl der bei der Markttransparenzstelle Preise meldenden Stationen ist höher als die des gesamten Netzes beim EID), zum anderen ist auch dieses geringe Wachstum nur die Bestätigung eines langjährigen Trends: Die Gesamtzahl stagniert, aber innerhalb der einzelnen Marken gibt es gravierende Veränderungen.
Erstaunlich ist die stabile Zahl der Stationen jedoch vor dem Hintergrund des im Corona-Jahr 2020 stark geschrumpften Absatzes. Die Lockdowns im Frühjahr und seit November haben zu einem Rückgang des OK-Absatzes von knapp zehn Prozent und des Dieselabsatzes von mehr als sieben Prozent geführt, wie die aktuell vom MWV veröffentlichten vorläufigen Zahlen zeigen. Die Kraftstoffabsätze über Tankstellen dürften somit um etwa 8,6 Prozent zurückgegangen sein.

Dass diese Verluste sich nicht im selben Maße auf die Betriebsergebnisse von Tankstellengesellschaften und Betreibern auswirkten, lag gleichermaßen an zeitweise stark verbesserten Kraftstoffmargen und an teilweise erheblich gestiegenen Shopumsätzen. Autobahnstationen und Autohöfe hingegen litten natürlich überproportional unter Absatzrückgängen und den geschlossenen Restaurants.
Insgesamt scheint die Branche mit einem blauen Auge durch das Jahr gekommen zu sein. Das kann man jedenfalls den veröffentlichten Äußerungen von Gesellschaftsvertretern entnehmen. Natürlich fehlen die sonst üblichen Jubeläußerungen über gesteigerte Ab- und Umsätze. Stattdessen zeigt sich eine gewisse Erleichterung, dass es nicht so schlimm kam, wie man angesichts der Absatzeinbrüche im Frühjahr befürchtete.
Zu den Zahlen des EID:
Beim vom EID ermittelten Tankstellenbestand zum 1. Januar 2021 mit 14.459 (14.100 Straßen- und 359 Autobahnstationen) Tankstellen in Deutschland muss man wie jedes Jahr berücksichtigen, dass hinter der Zahl im Laufe des Jahres viel Bewegung stand. Kleinere Stationen fallen aus dem Netz und werden, meist an anderer Stelle, durch Neubauten ersetzt. Gleichzeitig wurden wiederum viele Tankstellen modernisiert und ihr Angebot ergänzt, beispielsweise durch Ad-Blue-Säulen (auch für Pkw), Schnellladesäulen oder digitale Zahlsysteme.
Ebenfalls verstärkte sich der Trend, kleinere Tankstellen nicht mehr zu schließen, sondern in Automatenstationen umzuwandeln. Auch an bemannten Stationen nehmen die Tankautomaten zur Abdeckung der Nachtabsätze zu, eine Entwicklung, die angesichts der steigenden Personalkosten und der Probleme bei der Personalfindung nicht nur im ländlichen Raum noch längst nicht abgeschlossen sein dürfte.
Zu den einzelnen Netzen:
– BP hat unter der Aral-Marke mit 2.300 Straßentankstellen weiterhin das größte Netz, netto neun Stationen mehr als zu Jahresbeginn 2020. Im letzten Jahr wurden wegen der Corona-Pandemie die Umbauten auf REWE TO GO gestoppt. In diesem Jahr sollen weitere 120 Tankstellen umgerüstet werden. Ebenfalls wird 2021 die Installation von Schnellladesäulen, die Aral in Eigenregie betreibt, vorangetrieben.
– Die Zahl der Shell-Tankstellen (einschließlich der unter bft-Zeichen betriebenen Rheinland-Kraftstoff-Stationen) liegt mit 1.955 nur um eine unter dem Vorjahreswert. Auch Shell treibt den Bau von Ladesäulen voran und arbeitet dabei mit EnBW zusammen.
– Die Total hat ihre Tankstellenzahl gegenüber dem Vorjahr nochmals um netto acht auf nun 1.157 erhöht. Auch Total hat kräftig in eine Ladeinfrastruktur investiert, ebenso in die Ausstattung der Stationsdächer mit Solarmodulen. Derzeit sind es etwa 280; bis 2023 sollen 560 Total-Tankstellen ihren Energiebedarf zu 20-30 Prozent mit eigener Solarenergie decken können.
– Unter dem Esso-Zeichen firmierten am 1. Januar 2021 961 Tankstellen, netto 24 mehr als vor Jahresfrist. Zwar hat das Netz wiederum einige Stationseigentümer verloren, die ihren Vertrag mit der EG-Group bzw. deren deutscher Tochter Echo Tankstellen GmbH nicht verlängerten. Doch wirkte sich die in 2020 begonnene Umflaggung der Minera-Stationen von Avia auf Esso bereits positiv auf die Gesamtzahl aus. Die Zahl der Esso-Stationen wird in 2021 noch einmal steigen, wenn die restlichen der insgesamt 80 Minera-Tankstellen umgerüstet sind. Ob auch die 272 von EG erworbenen OMV-Tankstellen auf Esso umgeflaggt werden, steht noch nicht fest und hängt sicherlich auch von der Entscheidung des Bundeskartellamts ab.
– JET betreibt 818 Tankstellen, netto fünf mehr als vor einem Jahr. In die Zahl gehen wie in den Vorjahren auch die zur Firma gehörenden, aber nicht mit dem JET-Logo gekennzeichneten, weißen Stationen ein.
– Zu einigen übrigen Marken: Die Avia-Partner betreiben inzwischen 839 Straßentankstellen, 32 weniger als vor einem Jahr, bedingt durch die begonnene Umflaggung der Minera-Tankstellen auf Esso. Erstmals separat ausgewiesen werden die 94 Tankstellen (davon 26 Automatenstationen) der team energie. Entsprechend gesunken ist die Zahl der „sonstigen mittelständischen Eigenmarken.“
Wenig Veränderung gab es im Jahr 2020 an der Autobahn. Die Gesamtzahl der BATs stieg um eine auf 359. Die Zahl der von der Shell belieferten Stationen stieg von 55 auf 59, und auch die Total beliefert mit 32 vier BATs mehr als vor einem Jahr. Die Verteilung der Einlieferungsrechte ist nicht deckungsgleich mit der Verteilung der Markenfarben an den Stationen. Die Unterschiede resultieren aus Weiterverpachtungen und Plakettenverträgen.
Die allgemein schlechten Aussichten für den künftigen Absatz von LPG zeigen sich inzwischen bei den Bestandszahlen im Netz der Autogasstationen. Ihre Zahl sank nach der EID-Recherche innerhalb eines Jahres um 126 auf 6.971 – immer noch eine stolze Zahl für lediglich etwa 370.000 beim KBA gemeldete Fahrzeuge mit Autogas.
Ebenfalls und weiterhin rückläufig ist die Zahl der Erdgastankstellen. Sie sank innerhalb eines Jahres um 18 auf nur noch 831 CNG-Säulen. Zukunftsträchtiges Gas scheint nur noch LNG zu sein, also das verflüssigte Erdgas als alternativer Lkw-Antrieb. Immerhin gab es Ende 2020 bereits 37 LNG-Tankstellen in Deutschland.
Erstmals hat der EID auch die Anzahl der AdBlue-Stationen nach für Lkw und für Pkw geeigneten Säulen aufgegliedert. Die Zahl der AdBlue-Säulen insgesamt wächst weiter, denn immer mehr Betreiber erkennen, dass sie mit diesem Angebot ihren Dieselabsatz stützen können.
Für weitere Details beachten Sie bitte die Tabellen, welche auf www.kfz-bw.de unter Mitglieder / Unser Service für Mitglieder / Downloads / Monatsdienst heruntergeladen werden können.
(TS 055/Julia Cabanis)