Traditionell veröffentlicht der Energie Informationsdienst (EID) in der zweiten Februarhälfte die von ihm erhobenen Tankstellenzahlen zum Stichtag 1. Januar. Zwar haben sich in den einzelnen Netzen durchaus Änderungen ergeben, doch stagniert die Gesamtzahl der Tankstellen auf erstaunlich hohem Niveau – 14.099 Straßentankstellen bedeuten netto lediglich eine Station weniger als vor Jahresfrist.
Erstaunlich hohes Niveau meinen wir angesichts der Tatsache, dass der Kraftstoffabsatz sich nicht nennenswert gegenüber dem Jahr 2020 erholt hat. Der OK-Absatz stieg nach den inzwischen vorliegenden amtlichen Zahlen des BAFA lediglich um 1,6 Prozent, der von DK um nur 0,4 Prozent. Der unten mit abgebildete Vergleich zu den Zahlen des Vor-Corona-Jahres 2019 zeigt, was der Branche weiterhin fehlt und wahrscheinlich auch nicht mehr zurückkommt. Neben den gesellschaftlichen Veränderungen, die sich durch Home-Office und Videokonferenzen ergeben, lassen die derzeit enormen, aber auch die langfristig politisch gewollten Preissteigerungen sowie die zunehmende Elektromobilität eine Rückkehr früherer Absatzzahlen illusorisch erscheinen.

Wie im Vorjahr lassen die Kraftstoffabsätze nur wenige Rückschlüsse auf die Wirtschaftlichkeit der Gesellschaften und der Tankstellen zu. Das Shopgeschäft hält sich weiter auf hohem Niveau. Bei manchen Warengruppen gab es sogar nochmals Steigerungen gegenüber dem Jahr 2020. Autobahnstationen und Tankstellen mit Restaurantbetrieb leiden jedoch weiterhin unter fehlender Frequenz und unter den auch das Jahr 2021 bestimmenden Corona-Maßnahmen.
Auffällig ist, dass in dieser EID-Ausgabe, anders als in früheren Jahren, kein Vertreter einer Mineralölgesellschaft mit Aussagen zur Wirtschaftlichkeit des Tankstellengeschäfts zitiert wird. Die Beiträge sind voll mit Aussagen zum Aufbau der jeweiligen Schnellladeinfrastruktur, zur Digitalisierung, Zahlungs-Apps und neuen Konzepten – zur wirtschaftlichen Lage äußert sich jedoch niemand. Fest steht nur, dass die Kraftstoffmargen auch im Jahr 2021 zufriedenstellend waren, wenn auch längst nicht mehr auf dem Niveau des besonderen Jahres 2020.
Zudem zeigen sich unterschiedliche Zukunftsstrategien zwischen mittelständischen und großen Gesellschaften. Während der Mittelstand auf E-Fuels und eine baldige Beimischungsmöglichkeit hofft, investieren die großen Gesellschaften massiv in Ladeinfrastruktur – nicht nur an ihren Tankstellen, sondern auch an anderen Standorten.
Zu den Zahlen des EID:
Beim vom EID ermittelten Tankstellenbestand zum 1. Januar 2022 mit 14.458 (14.099 Straßen- und 359 Autobahnstationen) Tankstellen in Deutschland muss man wie jedes Jahr berücksichtigen, dass hinter der Zahl im Laufe des Jahres viel Bewegung stand. Kleinere Stationen fallen aus dem Netz und werden, meist an anderer Stelle, durch Neubauten ersetzt. Gleichzeitig wurden wiederum viele Tankstellen modernisiert und ihr Angebot ergänzt, beispielsweise durch Ad-Blue-Säulen (auch für Pkw), Schnellladesäulen oder digitale Zahlsysteme. Der Trend, kleinere Tankstellen nicht mehr zu schließen, sondern in Automatenstationen umzuwandeln, ist noch lange nicht abgeschlossen.
Zu den einzelnen Netzen:
– BP hat unter der Aral-Marke mit 2.285 Straßentankstellen weiterhin das größte Netz, netto 15 Stationen weniger als zu Jahresbeginn 2021. REWE TO GO gibt es inzwischen an 700 Aral-Stationen. 77 Tankstellen, weniger als geplant, sind mit insgesamt 500 Ladepunkten ausgerüstet.
– Die Zahl der Shell-Tankstellen (einschließlich der unter bft-Zeichen betriebenen Rheinland-Kraftstoff-Stationen) liegt mit 1.951 um vier unter dem Vorjahreswert. 85 Shell-Stationen bieten inzwischen Ladepunkte mit mindesten 150 kw Leistung an, 36 bieten Wasserstoff für Brennstoffzellenfahrzeuge. Zudem gibt es an 25 Shell-Standorten LNG.
– TotalEnergies – der Name steht inzwischen auch an allen Stationen – hat mit 1.156 Tankstellen gegenüber dem Vorjahr nur eine weniger zu verzeichnen. Auch Total hat weiter in eine Ladeinfrastruktur investiert, zudem ganz gegen den Trend in zusätzliche Autogas-Säulen.
– Unter dem Esso-Zeichen firmierten am 1. Januar 2022 1.016 Tankstellen, netto 55 mehr als vor Jahresfrist. Zwar hat das Netz wiederum einige Stationseigentümer verloren, die ihren Vertrag mit der EG-Group bzw. deren deutscher Tochter Echo Tankstellen GmbH nicht verlängerten. Doch wirkte sich die in 2020 noch nicht beendete begonnene Umflaggung der Minera-Stationen von Avia auf Esso positiv auf die Gesamtzahl aus – 2021 bekamen die restlichen 80 Minera-Tankstellen das Esso-Zeichen. Die Zahl der Esso-Stationen wird noch einmal um etwa 220 steigen, wenn die Auflagen des Bundeskartellamts erfüllt sind und die verbliebenen deutschen OMV-Tankstellen auf Esso umgeflaggt werden, wobei noch längst nicht feststeht, wann dies der Fall sein wird.
– JET betreibt 819 Tankstellen, netto eine mehr als vor einem Jahr. In die Zahl gehen wie in den Vorjahren auch die zur Firma gehörenden, aber nicht mit dem JET-Logo gekennzeichneten, weißen Stationen ein.
– Zu den übrigen Marken: Die Avia-Partner betreiben mit 833 Straßentankstellen sechs weniger als vor einem Jahr. In der im Vorjahr gemeldeten Zahl war der Abgang aller Minera-Stationen bereits eingerechnet. Erstmals separat ausgewiesen werden die 28 Tankstellender Firma Allguth. Entsprechend gesunken ist die Zahl der „sonstigen mittelständischen Eigenmarken.“
Wenig Veränderung gab es im Jahr 2021 an der Autobahn. Die Gesamtzahl der BATs blieb bei 359. Lediglich an drei Stationen änderte sich der Einlieferer. Wie immer weisen wir darauf hin, dass die Verteilung der Einlieferungsrechte nicht deckungsgleich ist mit der Verteilung der Markenfarben an den Stationen. Die Unterschiede resultieren aus Weiterverpachtungen und Plakettenverträgen.
Einen regelrechten Einbruch bei den Bestandszahlen gab es 2022 im Netz der Autogasstationen. Ihre Zahl sank nach der EID-Recherche innerhalb eines Jahres um 942 auf 6.028. Auffällig ist, dass der Rückgang der LPG-Säulen an den Gesellschaftstankstellen erheblich geringer ausfiel. Geschlossen haben wohl vor allem alleinstehende LPG-Säulen.
Ebenfalls weiterhin rückläufig ist die Zahl der Erdgastankstellen. Sie sank innerhalb eines Jahres um 42 auf nur noch 789 CNG-Säulen. Zukunftsträchtiges Gas scheint nur noch LNG zu sein, also das verflüssigte Erdgas als alternativer Lkw-Antrieb. Ihr Netz wuchs im Jahr 2021 beträchtlich auf inzwischen 103 LNG-Tankstellen.
Im Vorjahr hatte der EID erstmals die Anzahl der AdBlue-Stationen nach für Lkw und für Pkw geeigneten Säulen aufgegliedert. Die Zahl der AdBlue-Säulen insgesamt wächst weiter beträchtlich, denn immer mehr Betreiber erkennen, dass sie mit diesem Angebot ihren Dieselabsatz stützen können. Die EID-Zahlen würden wir dennoch relativieren. Zum einen bietet die entsprechende Tabelle nur „eine Auswahl“, zum anderen enthält sie mit Sicherheit auch Doppelzählungen. Manche AdBlue-Säule ist eben sowohl für Pkw wie für Lkw geeignet. Mit reinen Pkw-Säulen können natürlich auch Lkw (wenn auch sehr langsam) betankt werden, bei anderen Säulen lässt sich durch Drücken eines Knopfs die Durchflussgeschwindigkeit mindern, so dass auch Pkw betankt werden können.
Für weitere Details beachten Sie bitte die Tabellen, welche auf www.kfz-bw.de unter Mitglieder / Unser Service für Mitglieder / Downloads / Monatsdienst heruntergeladen werden können.