Unruhige Zeiten auf allen Ebenen
Auch der Automobilmarkt befindet sich in unruhigen Zeiten. Der Krieg in der Ukraine hat deutliche Auswirkungen auf den Neu- und Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland. Dies betrifft nicht nur die extrem gestiegenen Spritpreise, sondern es fehlen durch mangelnde Halbleiter, Kabelbäume oder Rohstoffe auch zahlreiche Neuzulassungen. Sehr lange Lieferzeiten sind somit vorprogrammiert. Dadurch wächst der Druck auf dem Gebrauchtwagenmarkt, denn individuelle Mobilität ist weiterhin gefragt. Im Neuwagenbereich betrifft das, neben den klassischen Verbrennern, auch Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb.
Apropos Antriebsarten: Mit Hilfe einer präziseren Klassifikation der Antriebsarten durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) können nun Neuzulassungen exakter aufgeschlüsselt werden. Dadurch wird deutlich, dass insbesondere Pkw mit Benzin-, aber auch mit Dieselantrieb weiterhin den Markt dominieren. Der Anteil (echter) alternativer Antriebsarten in den beiden ersten Monaten 2022 liegt nach Zuordnung der Mildhybride zu den klassischen Verbrennern damit nur noch bei 27 Prozent. Rein batteriebetriebene Fahrzeuge (BEV) machten 13 Prozent aller Neuzulassungen aus. Fragt man die Pkw-Halter nach ihrer Absicht, auf ein BEV umzusteigen, so ist die Situation äußerst durchwachsen. Zehn Prozent könnten sich einen Umstieg in den nächsten zwei Jahren vorstellen, bei 36 Prozent liegt dieser Zeitpunkt aber weiter in der Zukunft und ein Drittel lehnt es ab. Passend hierzu ist die Aussage, dass 67 Prozent aller Pkw-Halter eher noch die weiteren Innovationen dieser Antriebstechnologie abwarten. Die Autokäufer suchen derzeit also vermehrt auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach Fahrzeugen mit Verbrennertechnologie, was bei dem derzeit geringen Angebot die Standzeiten niedrig und die Preise auf hohem Niveau hält.
Neu- und Gebrauchtwagenmarkt weit unter Vor-Corona-Jahr 2019
Während 2020 von Lockdowns und den damit verbundenen Schließungen der Automobilbetriebe sowie Zulassungsstellen gekennzeichnet war, hatte das Jahr 2021 mit den Auswirkungen von Werksschließungen und unterbrochenen Lieferketten zu kämpfen. Die Folge: Neu- und Gebrauchtwagen waren knapp – bei anhaltend hoher Nachfrage. Im Jahr 2022 setzt sich dies fort, und der Mangel an Halbleitern wird durch den Krieg in der Ukraine weiter verschärft. Nun kommen Lieferschwierigkeiten bei Kabelbäumen und Rohstoffen aus Russland und der Ukraine hinzu. Im Januar und Februar 2022 konnten gerade einmal 384.624 Pkw neu zugelassen werden, 938.108 Pkw wechselten den Besitzer. Damit liegt der Neuwagenmarkt 28 Prozent unter dem Vor-Corona-Jahr 2019, der Gebrauchtwagenmarkt 19 Prozent unter dem Wert von 2019.
Rund ein Viertel echte alternative Antriebsarten auf dem Neuwagenmarkt
Die Analyse der Fahrzeuge nach Diesel, Benzin und anderen Antriebsarten unterlag in den vergangenen Jahren wegen der Mildhybrid-Antriebe (mHEV) einer stetig gewachsenen Unschärfe. mHEV können nicht rein elektrisch fahren, sie besitzen aber einen 48-Volt-Startergenerator und werden daher zu den alternativen Antrieben gerechnet. Nun erlaubt eine neue Klassifikation des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) eine exaktere Analyse: Rechnet man die mHEV zu den Verbrennern, ergibt dies einen Dieselanteil von 28 Prozent statt 21 Prozent, Benziner steigen von 36 Prozent auf 45 Prozent. Die echten alternativen Antriebsarten vereinen dann nur noch 27 Prozent auf sich. Sie setzen sich zu 13 Prozent aus rein elektrisch (BEV) angetrieben Pkw, zehn Prozent Plug-in-Hybriden (PHEV), drei Prozent Vollhybriden (HEV) und einem Prozent Gasfahrzeuge zusammen.
Pkw-Halter begegnen BEV-Umstieg verhalten optimistisch
Die Pkw-Halter wurden für den DAT-Report 2022 befragt, ob und wie ihre Umstiegspläne auf ein rein elektrisches Fahrzeug (BEV) aussehen. Die Stichprobe ist repräsentativ für alle Pkw-Halter in Deutschland. Zum Zeitpunkt der Befragung Ende 2021 konnten sich 31 Prozent nicht vorstellen, auf einen batterieelektrischen Pkw (BEV) umzusteigen. 36 Prozent sehen einen Umstieg in mehr als drei Jahren, jeder Zehnte in den nächsten zwei Jahren. Unentschlossen ist fast jeder Vierte. Diese Absichtserklärungen wurden durch eine weitere Frage ergänzt. Der Aussage „BEV sind bezogen auf die Technologie noch nicht ausgereift, warte weitere Entwicklung noch ab“ stimmten 67 Prozent zu, neun Prozent nicht. Damit ist die große Mehrheit in Warteposition auf einen weiteren Technologiesprung.
Werte dreijähriger Pkw auf Rekordniveau
Die Preise für Gebrauchtwagen stiegen auch zu Beginn des Jahres 2022 weiter an. Der Gebrauchtwagenmarkt insgesamt ist durch die Knappheit im Neuwagenmarkt stark beeinflusst. Es fehlen Inzahlungnahmen beim Neugeschäft, junge Gebrauchtwagen durch nicht getätigte Zulassungen auf Vermieter, Werksmitarbeiter, Händler oder Firmenfuhrparks. Drei Jahre alte Benzin-Gebrauchtwagen konnten im Februar noch für 66,8 Prozent ihres ehemaligen Listenneupreises verkauft werden, vergleichbare Diesel für 64,3 Prozent. Beides sind Werte, die vor der Pandemie eher von zwei Jahre alten statt drei Jahre alten Pkw erzielt wurden.
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