In Baden-Württemberg sind rund 87.000 Personen im Kfz-Handel und Kfz-Handwerk beschäftigt. Dabei gehen sie vielfältigen Tätigkeiten nach: von der Kaufberatung über Teilelogistik, Reparaturen von konventionellen Antrieben bis hin zur Wiedervermarktung von Gebrauchtwagen. Doch der Verbrenner wird immer stärker von elektrifizierten Antrieben abgelöst und neue Software zum wesentlichen Fahrzeugbestandteil. Das Kfz-Gewerbe und seine Beschäftigten müssen sich verstärkt auf neue Antriebsvarianten, veränderte Vertriebsmodelle und digitale Arbeitsweisen einstellen. Wie kann das baden-württembergische Kfz-Gewerbe in Zukunft daher aussehen?
Genau dieser Frage wollen wir mit der IG Metall, der Landesagentur e-mobil BW, der Landeslotsenstelle Transformationswissen BW und dem Förderprojekt Handwerk 2025 bis Herbst 2022 nachgehen. Dazu wurde jetzt eine Studie zu den Beschäftigungseffekten im baden-württembergischen Kfz-Gewerbe mit Ziel-Fokus 2030 und 2040 in Auftrag gegeben. Neben der e-mobil BW (aus Mitteln des Strategiedialogs Automobilwirtchaft) fördert das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg das Vorhaben im Rahmen der Zukunftsinitiative Handwerk 2025 und dem neuen Schwerpunktthema „Transformation des Kfz-Gewerbes“.
Handlungsempfehlungen für einen schrumpfenden Markt
Die Studie zu Beschäftigungseffekten im Kfz-Gewerbe soll faktenbasiert Wissen aufbereiten und Erkenntnisse zugänglich machen. „Von dieser Studie erhoffen wir uns konkrete und praxistaugliche Handlungsempfehlungen für Betriebe, Verbände und Politik“, betont Präsident Michael Ziegler. Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut ergänzt: „Das Kfz-Gewerbe beim Transformationsprozess mitzunehmen und wo nötig landesseitig zu unterstützen, ist mir ein wichtiges Anliegen. Mit der Studie erhalten wir sicher eine gute Ausgangsbasis hierfür.“
Veränderung etablierter Geschäftsmodelle
Das Kfz-Gewerbe mit seinen Handels- und Handwerksbetrieben fungiert als Bindeglied zwischen Fahrzeugherstellern und Kunden. Doch durch den tiefgreifenden Wandel der Mobilitätswirtschaft – hin zu vernetzten, automatisierten und elektrifizierten Mobilitätsdiensten – kommen neue Wettbewerber in den Markt, die die Art der Wertschöpfung verändern. So treten beispielsweise finanzstarke Plattformen auf, die PKW online vertreiben und die Kundenbedürfnisse mit flexiblen Nutzungsmodellen bedienen. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen des Kfz-Gewerbes stellt dies aufgrund begrenzter personeller und finanzieller Ressourcen vor große Herausforderungen, sei es im Bereich der zukünftigen Entwicklung des Geschäftsmodells, der Mitarbeiterqualifizierung oder der generellen Ausrichtung der Unternehmensstrategie.
Studienveröffentlichung im November 2022
Die von der e-mobil BW beauftragte Studie soll die Treiber der Veränderung und derzeitige Abhängigkeiten im Kfz-Gewerbe analysieren. Daneben sollen die quantitativen und qualitativen Auswirkungen von Digitalisierung und Elektrifizierung auf die Beschäftigtenstrukturen des Kfz-Gewerbes in den Jahren 2030 und 2040 identifiziert und Ableitungen für Unternehmensstrategien sowie Aus- und Weiterbildung ermöglicht werden. Ziel ist es, dass regionale Firmen, Verbände, Kammern, Innungen und Belegschaften des Kfz-Gewerbes Unterstützung in der Transformation erhalten. Mit der Studienerstellung wurde das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Zusammenarbeit mit dem Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geißlingen beauftragt. Die Ergebnisse werden voraussichtlich im November 2022 veröffentlicht.