In einem aktuellen Urteil hat das Oberlandesgericht (OLG, Az.: 24 U 4397/20) München zur Frage, ob ein Geschädigter auch bei unter den Netto-Reparaturkosten liegenden tatsächlichen Reparaturaufwendungen fiktiv abrechnen kann, sinngemäß folgendes entschieden:
Rechnet ein Geschädigter im Haftpflichtschadensfall den Reparaturaufwand nach vollständiger und fachgerechter Reparatur fiktiv nach den Nettoreparaturkosten laut Gutachten ab, dann muss er den tatsächlichen Reparaturaufwand vor allem dann nicht genau darlegen, wenn die beklagte Haftpflichtversicherung lediglich ins Blaue hinein eine lose Behauptung niedrigerer tatsächlicher Reparaturkosten aufstellt.
Fazit:
Das OLG München hat eine zumindest für die Geschädigten selbst erfreuliche Entscheidung getroffen. Danach können Geschädigte nach wie vor auch dann fiktiv nach Gutachten abrechnen, wenn sie bei einer tatsächlich durchgeführten sach- und fachgerechten Reparatur weniger aufwenden müssen, als es im Gutachten ausgewiesen ist. Denn dem Geschädigten steht nach wie vor das Wahlrecht zu, ob er seinen Schadensersatz auf Basis der Reparaturrechnung oder auf Basis des Gutachtens geltend macht.
Dies beruht insbesondere auf der Feststellung, dass ein Geschädigter nicht zur Vorlage der tatsächlichen Reparaturrechnung gezwungen werden kann. Insbesondere die lose Behauptung niedrigerer tatsächlicher Reparaturkosten durch die Haftpflichtversicherung wird damit ein Riegel vorgeschoben. Bei einer anderen Rechtsauffassung würde man der Versicherung die Ausforschung der tatsächlichen Reparaturkosten sehr einfach möglich machen.
Legt der Geschädigte dagegen selbst eine Reparaturrechnung vor, welche unter den fiktiven Nettoreparaturkosten laut Gutachten liegt und ist diese Reparatur nach den Vorgaben des Gutachtens erfolgt, dann können auch nur die niedrigeren tatsächlichen Reparaturkosten erstattet werden.