Das Bundeskartellamt hat am 22. April seinen Jahresbericht 2020 zur Tätigkeit der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) veröffentlicht. Für den Bericht wurden die deutschlandweiten Kraftstoffpreise für das Jahr 2020, für neuere Entwicklungen auch bis in den April 2021 ausgewertet. Die Tankstellenbranche ist, zumindest was die Tankstellenanzahl und die Netzstruktur angeht, seit Jahren relativ stabil. Vor diesem Hintergrund kann man es dem Bundeskartellamt kaum zum Vorwurf machen, dass auch dieser Bericht nur sehr wenige neue Erkenntnisse liefert. Wenn man jedoch Jahr für Jahr bei vielen Punkten im Grunde das Gleiche schreibt wie im Vorjahr, wäre es für die interessierte Öffentlichkeit vielleicht nicht ganz uninteressant zu erfahren, warum gewisse Strukturen und Abläufe so sind, wie man sie jetzt seit Jahren berichtet. Zwei Beispiele:
• Aral führt sowohl die Preisrunden wie auch Änderungen im Preissetzungsverhalten (Einführung einer sechsten „Preisspitze“) an, Shell und Total folgen, danach der Rest. Nach so langer Zeit der Marktbeobachtung durch die MTS-K enthält der Bericht immer noch keinen Hinweis darauf, dass dies in einer Branche mit relativ homogenen Produkten und einer (zumindest möglichen) absoluten Preistransparenz für den Verbraucher einfach gar nicht anders ablaufen kann. Nur der Marktführer mit einem Netz von etwa 2.300 Tankstellen und vielleicht noch Shell mit etwa 1.950 Stationen verfügen über eine derartige Netzabdeckung, um bundesweit Preissignale senden zu können, an denen sich dann die anderen orientieren – und dies von Jahr zu Jahr dank der MTS-K immer schneller, fast in Echtzeit.
• Und: Ja, wieder wurden keine „höheren Preise während typischer Urlaubszeiten wie der Osterferien“ beobachtet. Diese Aussage zieht sich seit Jahren durch die MTSK-Berichte, ähnlich, wie bestimmte Massenmedien das Gegenteil vor jedem Ferienbeginn befürchten. Irgendwann müsste sich doch sowohl im Kartellamt wie in besagten Medien die Erkenntnis durchsetzen, dass Beschaffungs- und damit Tankstellenpreise keine Rücksicht auf die Ferienkalender der Bundesländer nehmen.
Nach diesen Vorbemerkungen die wesentlichen Erkenntnisse des Berichts:
• Zum Stichtag 15.Dezember 2020 meldeten etwa 14.800 Tankstellen ihre Preise an die MTS-K. Das sind etwa 340 mehr, als der EID in seiner aktuellen Tankstellenstatistik erfasst hat. Immer wieder interessant ist die Aufteilung auf die einzelnen Bundesländer und dort die Verteilung auf Stadt/Land. Über das Bundesgebiet ergeben sich zwei Drittel städtische und ein Drittel ländliche Tankstellen. Die höchste Tankstellendichte je Quadratkilometer findet sich in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. Naturgemäß ist die Spannbreite des Quotienten Tankstellen/km2 je nach Bundesland viel größer als beim Verhältnis Tankstellen pro 1.000 Pkw. Und beim Verhältnis Tankstellen je 1.000 Einwohner haben die Stadtstaaten, an erster Stelle Berlin, wiederum die geringste Tankstellendichte. Dort besitzen (brauchen) eben viele Einwohner kein Auto. Vielleicht ein Grund für viele Aspekte der Verkehrspolitik, die von Berlin aus für ganz Deutschland betrieben wird.
• An ein und derselben Tankstelle gibt es im Schnitt Preisunterschiede von etwa zwölf Cent/Liter am Tag. Vergleicht man die Tankstellen in einer Stadt, gibt es im Schnitt sogar Preisunterschiede von bis zu 22 Cent/Liter am Tag.
• Die Kraftstoffpreise sind im Schnitt meist morgens (circa 5.00 bis 8.00 Uhr) am höchsten und abends (circa 18.00 bis 22.00 Uhr) am niedrigsten, wobei es allerdings auch abends kleine Preisanhebungen gibt. Dazwischen schwanken die Preise oft erheblich. Am späten Abend werden die Preise dann bei einem Großteil der Tankstellen, die noch geöffnet haben, wieder deutlich angehoben und bleiben nachts auch auf einem vergleichsweise hohen Niveau.
• Während es in 2020 und bis vor Kurzem meist fünf tägliche Preisspitzen gab, zeigten sich in den letzten Wochen vermehrt Veränderungen des typischen Tagesverlaufs: Ende März und Anfang April gab es bei mehreren großen Marken zeitweise sechs Preisspitzen.
• Zwischen Stadt und Land sind die Preisunterschiede im Durchschnitt eher gering. Zwischen den verschiedenen Regionen gibt es nur vergleichsweise geringe Preisunterschiede. Abgesehen von wenigen teureren bzw. günstigeren Regionen, beträgt die Preisdifferenz im Jahresmittel um die fünf Cent/Liter.
• An Autohöfen in Autobahnnähe sind die Preise im Vergleich zu anderen Straßentankstellen zwar häufig etwas teurer (plus zwei bis fünf Cent/Liter), aber wer an einer Autobahntankstelle tankt, muss meist mit noch sehr viel höheren Preisen rechnen. Diese liegen zumeist etwa 25 Cent/Liter über den Preisen an den Straßentankstellen. Es gibt allerdings einige wenige Autobahntankstellen, die trotz ihrer Lage keine deutlich teureren Preise erheben.
• Der Abstand von E5 zu E10 vergrößerte sich im Laufe des Jahres 2020 auf circa fünf Cent/Liter im Dezember 2020 und liegt derzeit teils sogar bei bis zu sechs Cent/Liter.
• Die Höhe der Kraftstoffpreise unterlag in den vergangenen Monaten starken Schwankungen. Während im Frühjahr 2020 mit einem u.a. pandemiebedingt sehr niedrigen Rohölpreis auch die Kraftstoffpreise ein Tief erreicht hatten, lagen sie schon Ende Februar 2021 wieder ähnlich hoch wie Anfang 2020. Hier liefert der Bericht immerhin eine Erklärung: Neben dem Anstieg des Rohölpreises und anderen Faktoren sind hierfür u.a. auch die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer und die Einführung der CO2-Bepreisung zum 1. Januar 2021 mitverantwortlich.
Der vollständige Jahresbericht kann auf www.kfz-bw.de unter Mitglieder / Unser Service für Mitglieder / Downloads / Monatsdienst heruntergeladen werden.