Die Zeit ist aus den Fugen?
Neuwagenbestellungen können nicht getätigt werden, Fuhrparkleiter müssen ihre Verträge verlängern, Dienstwagenberechtigte fahren Poolwagen, Autovermieter bekommen keine Fahrzeuge, Werksdienstwagen und Vorführwagen sind weiter Mangelware. Erst Corona und fehlende Halbleiter, jetzt der Krieg in der Ukraine. Die Automobilwirtschaft befindet sich in einer schwierigen Lage. Von allen gewerblichen Neuzulassungen – das sind immerhin zwei Drittel aller Neuzulassungen – ist die Hälfte auf Firmenfuhrparks zugelassen. Die Top-Antriebsart unter ihnen ist weiterhin der Diesel (72 Prozent). Benziner und alternative Antriebsarten vereinen jeweils 14 Prozent auf sich. Unter den alternativen Antriebsarten ist der Anteil der batterieelektrischen Pkw deutlich gestiegen und macht nunmehr fast die Hälfte aus (43 Prozent). Ohnehin fährt zwischenzeitlich in jedem Fuhrpark der befragten Flottenmanager mindestens ein Pkw mit alternativem Antrieb, und 84 Prozent geben an, auch Lademöglichkeiten am Arbeitsplatz zu haben. Durch die anhaltend schwierige Liefersituation bei Neuwagen würden die meisten Fuhrparkleiter auf eine Vertragsverlängerung der Leasinggesellschaften zurückgreifen. Wenn man schnell ein Interimsfahrzeug benötigt, nutzt die Mehrheit eigene Poolwagen, dicht dahinter folgen Mietfahrzeuge. Auf die viel diskutierten Auto-Abos greift nur eine geringe Zahl von Fuhrparkleitern zu. Dennoch beschäftigen sich mit Abos im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr von ihnen (von 41 Prozent auf 60 Prozent), und auch deren Nutzung ist in den Fuhrparks gestiegen (von ein Prozent auf 10 Prozent). Als Alternative zum Leasing sehen 77 Prozent der Befragten ein Auto-Abo allerdings nicht.
Neuwagenmarkt von gewerblichen Zulassungen geprägt
Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wurden im März 2022 genau 241.330 Pkw neu zugelassen (-18 Prozent gegenüber März 2021). Von Frühjahresbelebung kann damit kaum gesprochen werden, denn auch kumuliert liegt das erste Quartal gut fünf Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Nahezu unverändert ist dagegen die Aufteilung von gewerblichen und privaten Neuzulassungen: 36 Prozent wurden von privaten, 64 Prozent von gewerblichen Haltern getätigt. Doch nicht jede gewerbliche Zulassung ist auch ein Dienstwagen, sondern auch Zulassungen auf Handel, Autovermieter oder Automobilhersteller zählen mit dazu. Der Bereich „Flotte“ macht innerhalb der gewerblichen Zulassungen mit 50 Prozent den Löwenanteil aus, bezogen auf alle Neuzulassungen liegt der Anteil bei 32 Prozent.
Top-Antriebsart in Fuhrparks weiterhin der Diesel
Der Anteil der alternativen Antriebsarten in Fuhrparks wächst zwar, doch bei den für das DAT-Barometer im April 2022 befragten Fuhrparkleitern und Flottenmanagern ist der Diesel vorherrschend. Hier macht sich die Effizienz dieser Motoren bei hoher Fahrleistung und den derzeitigen Kraftstoffpreisen bemerkbar. Der Anteil von Benzinern und alternativen Antrieben liegt aktuell bei jeweils 14 Prozent. Von Letztgenannten machen die Plug-In-Hybride (PHEV) mit 48 Prozent den größten Anteil aus, gefolgt von den rein batterieelektrischen Pkw (BEV) mit 43 Prozent. Die so genannten Mildhybride (mHEV), die von den Fuhrparkleitern mit sieben Prozent angegeben wurden, müssten strenggenommen den Verbrennern zugeordnet werden, da die mHEV nicht rein elektrisch fahren können.
Alternative Antriebsarten in Fuhrparks angekommen
In der aktuellen Befragung für das DAT-Barometer gaben alle Fuhrparkleiter an, dass sich mindestens ein Fahrzeug mit alternativer Antriebsart in der Flotte befinde. 84 Prozent der Fuhrparkleiter haben am Arbeitsplatz eine Lademöglichkeit, über deren Nutzung gibt die Befragung allerdings keine Auskunft. Auch denkt über die Hälfte der Befragten (51 Prozent), dass es Dienstwagenfahrer gibt, die ihren PHEV ausschließlich als Verbrenner nutzen – also nicht extern laden. Knapp ein Drittel der Fuhrparkleiter gibt an, dass die Bestellung eines PHEV oder BEV nicht an bestimmte Bedingungen geknüpft ist (z. B. Lademöglichkeit zu Hause).
Lieferschwierigkeiten auch bei Fuhrparks im Fokus
Auch auf die Fuhrparks wirken sich der Rohstoffmangel und die damit verbundenen Lieferschwierigkeiten aus. So würden 88 Prozent der Fuhrparkleiter eine Vertragsverlängerung bestehender Fahrzeuge seitens der Leasinggesellschaft annehmen. Um die Mobilität zu erhalten und Zeiten bis zur Lieferung eines neuen Fahrzeuges zu überbrücken, greifen 70 Prozent der Fuhrparkleiter auf eigene Poolfahrzeuge zu, und 64 Prozent geben an, auf Pkw von Autovermietungen zurückzugreifen. Auto-Abos werden von zehn Prozent und Carsharing-Angebote von vier Prozent als Alternative für den Erhalt der Mobilität genutzt. Elf Prozent der Fuhrparkleiter haben eigenen Angaben zufolge aktuell keinen zusätzlichen Bedarf an Interimslösungen.
Auto-Abos im Fuhrpark noch unterrepräsentiert
Von den Lieferschwierigkeiten der Automobilhersteller können in gewisser Weise die Auto-Abos profitieren. So haben sich aktuell bereits 60 Prozent der Fuhrparkleiter mit diesem Thema auseinandergesetzt. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber den Angaben aus Juli 2021 (damals waren es 41 Prozent). Die Nutzung liegt derzeit bei zehn Prozent. Die Fuhrparkleiter betrachten diese neue Mobilitätslösung aber nicht als ersetzend: 77 Prozent sehen die Abo-Nutzung eines Autos gegen einen festen monatlichen Betrag nicht als Alternative zum klassischen Leasingvertrag. Dies ist auf ähnlichem Niveau wie 2021 (79 Prozent).
Axel Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement: „Die Mobilitätswende ist längst im Fuhrpark- und Mobilitätsmanagement angekommen. Doch der Umbau in Richtung alternative Antriebe dauert seine Zeit. Diese haben zwar mit Benzinern gleichgezogen und wachsen – doch lange nicht so, wie man es durch die Präsenz des Themas in der Öffentlichkeit glauben würde. Förderungen und medialer Hype sind eben noch keine hinreichende Entscheidungsgrundlage für Unternehmen. Die Entscheidung für alternative Antriebe ist im Wesentlichen abhängig von der Relevanz für die eigenen Mobilitätsanforderungen und der Verfügbarkeit, die derzeit noch immer ein Problem darstellt. Erfreulicherweise zeigen die Ergebnisse des DAT-Barometers allerdings, dass mittlerweile alle befragten Fuhrparkleitenden mindestens ein Fahrzeug mit alternativem Antrieb in der Flotte einsetzen. Ein wichtiger Schritt hin zur Mobilität der Zukunft. Klar ist aber auch, dass eine Mobilitätswende kein radikaler Umbruch sein kann. Damit der Prozess gelingt, bedarf es Übergangstechnologien und angemessene politische Rahmenbedingungen. Um die Mobilitätswende voranzutreiben, muss sich noch einiges ändern – insbesondere beim Thema Ladeinfrastruktur. Nicht nur der Ausbau der Ladesäulen, sondern vor allem auch die Bekämpfung der Monopolstellung sowie des Tarifdschungels sind vonnöten. Da ist es begrüßenswert, dass 84 Prozent der Fuhrparkverantwortlichen das Problem selbst angehen und Lademöglichkeiten am Arbeitsplatz bieten. Hinsichtlich der betrieblichen Mobilität besteht Handlungsbedarf, aber wir befinden uns auf dem richtigen Pfad.“
Die ausführliche Darstellung der einzelnen Themen finden sich unter https://barometer.dat.de/.