Die effektive Vertretung der Interessen der Werkstattthemen auf europäischer Ebene ist für alle Kfz-Betriebe mit Werkstatt von zentraler Bedeutung. Diese stößt nach dem Austritt unseres Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) aus der CECRA allerdings auf strukturelle und tatsächliche Schwierigkeiten. Dazu kommt eine seit längerer Zeit andauernde erhebliche Arbeitsüberlastung der ZDK-Abteilung Werkstätten und Technik, die vor allem durch die Neuordnung der technischen Fahrzeugüberwachung und den Aufbau des AÜK-Systems bedingt ist. Die Freien Werkstätten auf Bundesebene haben daher moniert, dass die speziellen Themen der Freien Betriebe unterrepräsentiert seien und zu wenig Gehör fänden. Daraus resultierte zuletzt die Forderung der Bundesfachgruppe Freie Werkstätten (BFG FW) nach einer eigenen Geschäftsführung innerhalb des ZDK.
Aktuell hat deshalb ein Spitzengespräch zwischen Vertretern der Bundesfachgruppe, dem Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) sowie unserem Verband stattgefunden. Das Kernthema bildete dabei die strategische Ausrichtung der Verbandsarbeit zur Stärkung der Werkstattthemen für alle Kfz-Unternehmen. Einig war man sich schnell, dass dabei die Fokussierung auf die Gemeinsamkeit der Interessen von freien und fabrikatsgebundenen Betrieben von besonderer Wichtigkeit ist – denn 95 Prozent der Themen unterliegen gemeinsamen Interessen und nur gemeinsam sind wir stark! Eine Bündelung der Kräfte ist daher notwendig.
Ebenso erörterten Präsident Michael Ziegler, Vizepräsident Rainer Biedermann, ZDK-Vorständin Petra Wieseler und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß mit den Vertretern von Bundesfachgruppe und ZKF mit Stefan Vorbeck und Peter Börner an der Spitze bei diesem Gespräch weitere Arbeitsansätze wie die Reparaturplattform „repair-pedia”, eine personelle Aufstockung der ZDK-Abteilung Werkstätten und Technik und eine neue und eigene Interessenvertretung für Werkstattthemen durch die Gründung eines zusätzlichen europäischen Verbandes. Alle Beteiligten waren sich einig, beide Kernbereiche Sales und After Sales als Kraftfahrzeuggewerbe geschlossen anzugehen.
Eine wirkungsvolle Interessenvertretung auf europäischer Ebene könnte nach dem aktuellen ZDK-Konzept durch Gründung einer neuen Organisation, parallel zur AECDR, die aber eng mit AECDR und AIRC kooperieren soll, umgesetzt werden. Dadurch könnte erreicht werden, ein breiteres Gehör in der europäischen Politik zu finden, um die wichtigen Werkstattthemen zielgerichtet und bereits im Anfangsstadium politischer Prozesse einbringen zu können. Und genau das ist aktuell entscheidend beispielsweise für die Themen eines diskriminierungsfreien Datenzugangs und synthetische Kraftstoffe.
Einen praktischen Ansatz bildet die Aufnahme von Gesprächen über die bereits im Karosseriebereich erfolgreich etablierte Reparatursuchmaschine „repair-pedia”. Dabei geht es um eine mögliche Integration des Kfz-Gewerbes und eine angepasste Umgestaltung dieser Informationsplattform. Ziel ist die Gewährleistung der Wettbewerbsfähigkeit freier Werkstätten. Mit dem Projekt könnte eine zukunftsorientierte Vernetzung der Betriebe sichergestellt und vor allem der allumfängliche Zugang zu Daten der Fahrzeugreparatur gewährleistet werden. Dies ist von immenser Bedeutung bei der Bewältigung aktueller Themen wie Digitalisierung, Elektrifizierung und/oder einer neuen Gruppenfreistellungsverordnung (GVO).
Die hohe Zahl freier Werkstätten in Baden-Württemberg und das intensive Engagement unseres Verbandes in der BFG FW durch das dort stark vertretene Ehren- und Hauptamt zeigen deutlich, wie wichtig diese Themen für unseren Verband sind. Die personelle Verstärkung unserer Geschäftsstelle im Bereich der Werkstattthemen ermöglicht dabei seit dem letzten Herbst weitere Impulse und Kapazitäten für die vielseitigen Themenstellungen.