Für den Automobilhandel ist Corona eine echte Herausforderung: Der Bedarf an individueller Mobilität ist hoch, die Kundenkommunikation verändert sich, und gleichzeitig fehlt Ware. Zumindest bestätigten 77 Prozent der befragten Händler, dass die Beschaffungssituation schwierig sei, bei 65 Prozent sind junge Gebrauchtwagen knapp. Speziell diese stehen hoch im Kurs, da sich viele Kaufinteressenten für einen solchen Pkw statt eines Neuwagens entscheiden würden – so die Aussage von 59 Prozent der Händler. Der Automobilmarkt tritt möglicherweise genau wegen dieser Situation eher auf der Stelle: 531.109 Besitzumschreibungen laut KBA im Mai sind etwas weniger als im Vormonat (minus fünf Prozent), und auch bei den Neuzulassungen sind keine Höhenflüge zu beobachten (230.635 Einheiten; +0,4 Prozent). Weiterhin hoch ist der Informationsbedarf zu den Umweltprämien. Das bestätigten 72 Prozent der Händler. Während neue E-Autos auf großes Interesse stoßen, sorgen gebrauchte eher für Bauchschmerzen: 52 Prozent der Händler gaben an, sie können solche Pkw nur mit starken Nachlässen verkaufen. Was die Kundenkommunikation in Coronazeiten betrifft, so registrieren 82 Prozent der Händler Veränderungen: Deutlich mehr Mails (bei 91 Prozent dieser Händler), deutlich mehr Telefonate (bei 88 Prozent), und immerhin 23 Prozent führen mehr Videoberatungen durch. Leichte Entspannung ist bei den Standtagen zu verzeichnen: Diesel-Gebrauchtwagen stehen 88 Tage, Benziner 92. 25 Prozent des Gesamtbestandes beim Handel steht länger als 90 Tage – auch das ist eine Entspannung gegenüber früheren Befragungen. Die gute Nachfrage nach Gebrauchtwagen sorgt auch für stabile Preise: Dreijährige Diesel-Gebrauchtwagen werden mit 52,9 Prozent des ehemaligen Listenneupreises gehandelt, Benzin-Gebrauchtwagen für 55,5 Prozent.
Automobilmarkt tritt auf der Stelle: Die Neuzulassungen im Mai haben laut KBA mit 230.635 Einheiten kaum Veränderung zum Vormonat gebracht. Der Markt bewegt sich damit aktuell zwar auf der Stelle, performt aber im Vergleich zum Vorjahr deutlich besser. Er kann allerdings noch lange nicht an die Zeit vor Corona anknüpfen. Der Gebrauchtwagenmarkt fährt mit seinen 531.109 Besitzumschreibungen im Mai ebenfalls mit gezogener Handbremse. Die Gesamtbilanz des bisherigen Jahres (rund 2,7 Mio. Besitzumschreibungen) kann sich zwar durchaus sehen lassen, sie liegt aber ebenfalls noch unter dem Zahlen vor Corona (2019: 3,1 Mio.).
Nachfrage bei Gebrauchtwagen höher als das Angebot: Der Automobilhandel könnte derzeit vermutlich mehr verkaufen, wenn er mehr Ware hätte. 77 Prozent bestätigten, dass die Beschaffungssituation von Neu- und Werksdienstwagen schwierig sei. Bei 65 Prozent sind junge Gebrauchtwagen nicht in ausreichender Zahl verfügbar. Das knappe Angebot trifft auf eine hohe Nachfrage: 59 Prozent der Händler gaben zu Protokoll, dass sich ihre Kaufinteressenten für einen jungen Gebrauchten statt für einen neuen Pkw entscheiden würden. Ergänzend dazu werden 64 Prozent der Händler vermehrt mit Nachlassforderungen seitens der Privatkunden konfrontiert
Handel schultert bei E-Autos den Beratungsbedarf und kämpft mit Nachlässen bei gebrauchten E-Autos: 72 Prozent der für das DAT-Barometer befragten Händler bestätigten, dass ihre Kunden einen erhöhten Beratungsbedarf bzgl. der Umweltprämie hätten. Grund hierfür sind die weiterhin verfügbaren Prämien für elektrifizierte Neu- und Gebrauchtwagen, die je nach Modell in unterschiedlicher Höhe ausfallen können. Was den Verkauf von gebrauchten Elektrofahrzeugen betrifft, die nicht mehr förderfähig sind, so verkaufen 52 Prozent der Händler diese nur mit starken Nachlässen. 17 Prozent stimmten dieser Situation nicht zu, 31 Prozent gaben zu Protokoll, dass sie gar keine gebrauchten E-Autos im Sortiment hätten.
Kommunikation des Handels mit seinen Kunden passt sich der Situation weiter an: Auf die Frage, wie sich die durch Corona eingeschränkten persönlichen Kontakte auf die Kommunikation im Autohandel ausgewirkt haben, bestätigten die meisten Händler (82 Prozent) Änderungen: 23 Prozent von ihnen gaben zu Protokoll, mehr Beratungen per Video durchzuführen, 91 Prozent mehr E-Mail-Verkehr zu haben, und 88 Prozent kommunizieren mehr telefonisch. So zeigt sich der deutliche Einfluss der dritten Welle: Im November 2020 verzeichnete nur die Hälfte der Händler bereits ein durch Corona geändertes Kommunikationsverhalten.
Standzeiten der Gebrauchtwagen entspannen sich: Derzeit fallen die Standzeiten im Handel wieder etwas. Gebrauchte Benziner liegen bei aktuell 92 Tagen, vergleichbare Diesel nur bei 88 Tagen. Dies ist ein Rückgang zu den vergangenen Monaten. Pro Tag und Pkw fallen für den Handel Kosten in Höhe von 22 Euro an. Insgesamt stehen 25 Prozent aller Gebrauchtwagen länger als 90 Tage und zählen damit zum so genannten Risikobestand. Die Wertentwicklung der dreijährigen Gebrauchtwagen zeigt einen stabilen Verlauf. Benziner erzielen derzeit noch 55,5 Prozent des ehemaligen Listenneupreises. Vergleichbare Diesel liegen mit 52,9 Prozent exakt auf dem Vormonatswert. Dies resultiert in der derzeit knappen Angebotssituation bei den Händlern.
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