Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) hat im Juli ihr monatliches DAT-Barometer veröffentlicht, in dem die Situation rund um alternative Antriebe analysiert wird. Besonders die Pkw mit Mildhybridantrieb sind hierbei aufgefallen.
Hier die Informationen im Überblick:
 Neuwagenmarkt weiter deutlich unter Vorjahr: Im Juni wurden 220.272 Pkw neu zugelassen. Das sind 32,3 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Kumuliert wurden seit Januar 1,2 Mio. Pkw und damit 34,5 Prozent weniger Fahrzeuge neu zugelassen als im gleichen Zeitraum 2019.
 Gebrauchtwagenmarkt zeigt erste Erholungstendenzen: 638.463 Gebrauchtwagen wechselten im Juni den Besitzer, das sind 14 Prozent mehr als im Juni 2019. Seit Jahresbeginn ist der Gebrauchtwagenmarkt auf 3,2 Mio. Einheiten gewachsen. Dies sind allerdings immer noch elf Prozent weniger als im Vorjahr.
 Wachstums-Segment Wohnmobile: Während bei den Neuzulassungen alle Fahrzeugsegmente im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich zweistellig negative Entwicklungen aufweisen, wuchsen Wohnmobile/Reisemobile gegenüber Juni 2019 um 62 Prozent. Insgesamt fielen zwar nur vier Prozent aller Juni-Neuzulassungen in dieses Segment, dennoch zeigt dies eine coronaunterstützte Entwicklung: Urlaub mit dem Reisemobil wird immer beliebter. Zudem sticht dieses Segment mit 99 Prozent Dieselanteil deutlich vor den anderen hervor.
 Gesamt-Dieselanteil bei 31 Prozent: Alle Juni-Neuzulassungen gegliedert nach Antriebsart offenbaren einen statistischen Dieselanteil von 31 Prozent. Benziner bilden mit 51 Prozent die Mehrheit, 18 Prozent entfallen auf alternative Antriebe. Diese wiederum bestehen zu 21 Prozent aus rein batterieelektrisch angetriebenen Pkw, 27 Prozent Plug-In-Hybriden und 49 Prozent aus Hybrid/Mildhybridfahrzeugen. Gasfahrzeuge spielen mit drei Prozent kaum eine Rolle.
 Kritische Betrachtung der Mildhybridfahrzeuge gefragt: Die obere Mittelklasse ist mit drei Prozent an allen Neuzulassungen im Juni ein kleines Segment, zeigt aber eine Entwicklung bei den Antriebsarten, die mit gesunder Skepsis betrachtet werden muss. Im Detail wird dies bei der Marke Audi deutlich, die mit den Modellen A6, S6 und RS6 an der Spitze der Neuzulassungen in diesem Segment liegt. Von allen 2.849 Fahrzeugen dieses Herstellers zählen laut KBA-Systematik 2.843 zu den Pkw mit alternativen Antrieben. Lediglich sechs einzelne Diesel-Pkw fallen in die Kategorie der Verbrenner. Von den 2.843 Einheiten, die zu den alternativen Antrieben gerechnet werden, verfügen 108 Fahrzeuge über einen Plug-In-Hybrid. Die übrigen 2.735 werden von einem Benzin- oder Dieselmotor angetrieben, der Unterstützung von einem 48-Volt-Startergenerator erhält. Rein elektrisch können diese Fahrzeuge allerdings nicht fahren. Die in der Juni-Statistik ebenfalls zu den Top-3-Modellen zählenden 5er BMW und Mercedes E-Klasse haben deutlich weniger Mildhybridfahrzeuge: 43 Prozent bzw. 49 Prozent zählen dort zu den Dieselfahrzeugen. In der Kompaktklasse zeigt die Analyse der Top-3-Modelle (VW Golf, Ford Focus und Škoda Octavia) ein anderes Bild: Mildhybrid-, Elektro- oder Plug-In-Hybridantrieb machen bei den neu zugelassenen Golf zwölf Prozent aus. Beim Ford Focus und beim Škoda Octavia wurden im Juni mit Ausnahme von vier Prozent neu zugelassenen Gasfahrzeugen (beim Škoda Octavia) ausschließlich reine Verbrenner zugelassen.
 Hoher gewerblicher Anteil bei BAFA-Anträgen: Eine spezielle Auswertung der Anträge auf den Umweltbonus über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zeigt im Quartalsverlauf eine deutlich zunehmende Aktivität der gewerblichen Kunden speziell bei den Plug-In-Hybridfahrzeugen. 8.079 Anträge waren es in Q2 des Jahres 2020, während private Endverbraucher mit 2.447 Anträgen in der Statistik verzeichnet wurden. Besonders die steuerlichen Vorteile für Dienstwagenfahrer spielen hierbei eine Rolle. Bei den rein batterieelektrischen Pkw liegt der Anteil der gewerblichen Antragsteller ebenfalls über den privaten. Zuletzt waren es 6.346 gewerbliche Anträge (entspricht 56 Prozent) und damit nur etwas mehr als bei den privaten Antragstellern (5.231 Anträge im 2. Quartal 2020).
 Werte gebrauchter Elektrofahrzeuge knapp unter denen der Benziner: Mit 54,3 Prozent vom ehemaligen Listenneupreis liegen dreijährige Elektrofahrzeuge knapp unter den vergleichbaren Benzinern (54,9 Prozent). Dieselgebrauchtwagen erreichen 50,9 Prozent. Der Wertverlauf im Trend zeigt nahezu parallele Kurven. Ein Auseinanderdriften wie zu Zeiten der Diskussion um Fahrverbote konnte nicht beobachtet werden.
Der Leiter der DAT-Marktbeobachtung Martin Weiss kommentierte, dass die aufgrund der Innovations- bzw. Umweltprämie stark rabattierten Elektro- und Hybridfahrzeuge für sehr viel Veränderung am Markt sorgen. Günstige Modelle profitieren am stärksten davon, da sich deren Listenneupreis dadurch teilweise halbiert. Eine solche Abwertung erfahren diese Fahrzeuge in der Regel erst nach zwei bis drei Jahren. Somit werden diese Prämien einen nachhaltigen Einfluss auf das allgemeine Wertniveau von gebrauchten Elektrofahrzeugen haben. Erste Beobachtungen am Gebrauchtwagenmarkt zeigen bereits, dass die Preise für bereits verfügbare gebrauchte Elektrofahrzeuge schon heute unter Druck geraten. Was die Klassifizierung von alternativen Antriebsarten betrifft, so sehen wir diese mit einer gesunden Skepsis. Sehr viele Diesel- und Benzin-Verbrennerfahrzeuge mit ihrem Mildhybridmodul verfälschen durch die Zuordnung zu den alternativen Antrieben das Gesamtbild des Marktes. Am deutlichsten sichtbar wird dies bei der oberen Mittelklasse, da hier die ‚Mildhybridisierung‘ am weitesten fortgeschritten ist.
Die ausführliche Darstellung der einzelnen Themen finden Sie auf https://barometer.dat.de/.
(633-00/Carsten Beuß)