Allzu schnell wird der 14. Juli 2021 für die Automobilwirtschaft nicht in Vergessenheit geraten. Die Europäische Kommission hatte ihr „Fit for 55“-Paket präsentiert, welches auch die Festlegung von neuen CO2-Emmissionsstandards für PKW betrifft. Der Name des Programms leitet sich ab von dem Ziel aller EU-Staaten, bis 2030 ganze 55 Prozent der Nettotreibhausgas-Emissionen einzusparen.
Zuvor war erneut eine hitzige Diskussion um die Kalkulation der Energieeffizienz und des CO2-Abdrucks von E-Fahrzeugen im Vergleich zu E-Fuels aufgekommen. Sechs Wissenschaftler der Organisation IASTEC hatten in einem Brief an die EU-Kommission einen grundlegenden Fehler bei der Berechnung der Umweltfolgen von E-Fahrzeugen und die mangelnde Einbindung von E-Fuels kritisiert. E-Fahrzeuge als zusätzliche Verbraucher im Stromnetz würden bei derzeitigem Ausbaustand der erneuerbaren Energien erheblich mehr Energieverbrauch erzeugen. Kritisiert wurde das Schreiben von anderer Seite als „verbrämtes Lobbyistenschreiben“.
Auch aus der Automobilindustrie kommen immer mehr Stimmen, die eine Abkehr vom Verbrennungsmotor nahelegen. So erklärte der Audi-Chef Markus Duesmann, dass der letzte Verbrenner, der 2025 startet, ein Q8 sein soll, der bis zum Jahreswechsel 2032/33 im Programm bleiben solle. In China allerdings würden nach 2033 noch Verbrenner angeboten. Diese würde man dann aber nur noch vor Ort bauen, so Duesmann.
Am 2. Juli hatten zwölf Verbände, darunter der deutsche VDMA, die E-Fuel-Alliance und der europäische Zuliefererverband CLEPA in einem offenen Brief betont, dass fossiler Kraftstoff das Problem sei und nicht der Verbrennungsmotor.
Im Voraus hatte sich auch der EU-Industriekommissar Thierry Breton gegen ein Verbot für Verbrennungsmotoren ausgesprochen und auf die Wichtigkeit der Brennstoffzelle sowie synthetischer Kraftstoffe verwiesen. Dem stand EU-Vizepräsident und Kommissar für den Europäischen Green Deal, Frans Timmermans, der das „Fit for 55“-Paket auch präsentierte, stets entgegen und beschrieb die Elektrifizierung als effizientesten Weg zur Emissionssenkung im Verkehr.
Die letzte Chance für Korrekturen an dem vorliegenden Paket liegt nun beim Europäischen Rat und Parlament, welche das vorliegende Gesetzespaket noch ändern können und beschließen müssen. Ziehen kann sich die Fortsetzung des erbitterten Streits um die Maßnahmen sogar noch über mehrere Jahre. Allerdings werden die Hersteller in der Zwischenzeit unabhängig vom politischen Geschehen Fakten schaffen.