Seit mehr als 150 Jahren gilt die Konzentration von Kohlendioxid in der Raumluft als Indikator für die Luftqualität in Aufenthaltsräumen des Menschen. Konzentrationen unter 1000 ppm Kohlendioxid in der Raumluft gelten als unbedenklich. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) legt folgendes Bewertungsschema vor:
• Bis 800 ppm: Infektionsschutz
• Bis 1.000 ppm: hygienisch unbedenklich
• 1.000 bis 2.000 ppm: hygienisch auffällig
• Mehr als 2.000 ppm: hygienisch inakzeptabel
Das Thema ist also alles andere als neu, aber insofern aktuell, als der CO2-Gehalt in der Luft auch ein Indikator für ein COVID-19-Übertragungsrisiko sein kann. Ein höherer CO2-Wert in der Raumluft geht in der Regel mit einer höheren Aerosol-Belastung einher. Schließlich steigen beide Werte, je mehr ausgeatmete Luft sich im Raum befindet. Corona-Viren werden schließlich hauptsächlich durch Aerosole übertragen. Andersherum: Je mehr Frischluft in einem Raum oder Gebäude ist, desto niedriger scheint die Ansteckungsgefahr zu sein.
Vor diesem Hintergrund ist eine Untersuchung interessant, welche die Aral gemeinsam mit externen Experten an zwölf Tankstellen im Raum Berlin im November und Dezember 2020 durchgeführt und deren Ergebnisse sie jetzt gegenüber ihren Partnertankstellen veröffentlicht hat. An den Testtankstellen wurde für eine Woche durchgängig die CO2-Konzentration, Temperatur und Luftfeuchtigkeit an jeweils zwei Messpunkten (ein Testpunkt mitten im Shop und ein Testpunkt im Kassenbereich) gemessen. Für diese Untersuchung waren Stationen mit unterschiedlichen Lüftungssystemen (Splitgerät, Mischluftbetrieb, zentrale Lüftungsanlage), Baugrößen und Lagen (ländlich / städtisch und hohe / mittlere / niedrige Verkehrsdichte) ausgewählt worden.
Die CO2-Werte überstiegen im gesamten Untersuchungszeitraum an keiner Tankstelle weder im Shop-Bereich noch im unmittelbaren Kassenbereich den Leitwert von 1.000ppm. Die Tests haben damit gezeigt, dass in allen Tankstellenshops während der Untersuchung eine gute Luftqualität vorlag. In den Kassenbereichen wurde in der Regel eine höhere CO2-Konzentration gemessen als im übrigen Shopbereich. Der Mittelwert über alle Tankstellen war im Untersuchungszeitraum jedoch nie höher als 700ppm CO2.
Die Aral weist auch auf eine Studie der BGHW aus dem Februar 2021 (Studie zu Corona-Risiko im Einzelhandel) hin, welche zum Ergebnis hat, dass das Infektionsrisiko bei der Arbeit im Einzelhandel nicht erhöht ist und die Infektionshäufigkeit unauffällig geblieben ist. „Eine wesentliche Rolle für das geringe Infektionsrisiko spielen sehr wahrscheinlich die von den Unternehmen ergriffenen Schutzmaßnahmen. Zum Beispiel die Abtrennungen an den Kassen und Bedientheken, Abstandsregeln, die Regelungen zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen, die verstärkte Lüftung und die verstärkte Reinigung“, so Dr. Stefan Mayer von der Präventionsabteilung der BGHW.
Sowohl die Ergebnisse der Aral-Untersuchung wie auch der BGHW-Studie sind zwar beruhigend, sollten aber keinesfalls zum Anlass genommen werden, die AHA+L-Regeln außer Acht zu lassen.