Mit Monatsdienst 04/2019 hatten wir berichtet, dass der Bundesgerichtshof (BGH, Az.: VIII ZR 225/17) entschieden hat, dass eine vom Käufer begehrte Ersatzlieferung nicht deshalb unmöglich ist, weil das streitgegenständliche Modell zwischenzeitlich nicht mehr hergestellt und durch ein mit wesentlichen technischen Änderungen versehenes Nachfolgemodell ersetzt worden ist. Entscheidend sei vielmehr, ob die Vertragsparteien von einer Austauschbarkeit des Neufahrzeugs ausgegangen sind, wobei beim Neuwagenkauf zu berücksichtigen sei, dass auf dem Neuwagenmarkt das Nachfolgemodell an die Stelle des nicht mehr aktuellen Vorgängermodells tritt und dieses ersetzt. Dieser Beschluss hatte seinerzeit für viel Empörung in der Händlerschaft gesorgt, weil der Käufer – sofern es sich bei diesem um einen Verbraucher handelt – dem Verkäufer im Falle einer Ersatzlieferung keinen Wertersatz für das zurückzugebende mangelbehaftete Fahrzeug schuldet und die Sorge groß war, dass Käufer ihr vom Abgasskandal betroffenes Fahrzeug über viele Jahre hinweg – auf Kosten der betroffenen Händler – nutzen könnten. Nunmehr hat der BGH in gleich vier Urteilen (Az. VIII ZR 254/20, VIII ZR 118/20, VIII ZR 275/19 und VIII ZR 357/20) klargestellt, dass Käufern, die ihren vom VW-Abgasskandal betroffenen Neuwagen mehr als zwei Jahre genutzt haben, ohne in dieser Zeit einen Anspruch auf Ersatzlieferung (ggf. in Form eines Nachfolgemodells) gegenüber ihren Verkäufern geltend gemacht zu haben, grundsätzlich kein Anspruch auf Ersatzlieferung in Form eines Nachfolgemodells zusteht. Ob den Käufern anderweitige Rechte / Ansprüche aus der Sachmangelhaftung zustehen, ist eine Frage des Einzelfalls und insbesondere davon abhängig, ob diese rechtzeitig vor Ablauf der Verjährungsfrist gegenüber den Verkäufern geltend gemacht worden sind.