In einem aktuellen Urteil hat sich der Bundesgerichthof (BGH, Az.: VI ZR 105/20) zur Frage, wie der Restwert bei einer Schadensabrechnung im Kaskoschadensfall zu berechnen ist, sinngemäß folgendes entschieden:
Wird ein kaskoversichertes Fahrzeug, welches bei einem Unfall beschädigt oder zerstört wurde, nicht vollständig oder nicht fachgerecht repariert oder kann der Versicherungsnehmer nicht durch eine Rechnung die vollständige Reparatur nachweisen, so ist, wenn sich der Versicherungsnehmer entschließt, das beschädigte oder zerstörte Fahrzeug nicht zu veräußern, bei der fiktiven Bestimmung des Restwertes des Fahrzeugs lediglich der regionale Markt für den Aufkauf solcher Fahrzeuge am Sitz des Versicherungsnehmers in den Blick zu nehmen.
Fazit:
Das vorstehende Urteil des BGH ist für die Praxis sehr wichtig. Denn der BGH stärkt hier die Rechte des Versicherungsnehmers in Kaskoschadensfall deutlich. Da im Versicherungsvertragsrecht andere Grundsätze gelten als im Haftpflichtschadensrecht, wurden bisher oft Restwertangebote im Kaskobereich von den Geschädigten akzeptiert. Denn im Kaskobereich hat der Versicherer die Befugnis, die Regulierung nach seinen Maßstäben gemäß den Versicherungsbedingungen vorzunehmen. Da in den meisten Kaskoverträgen Regelungen zur Bestimmung des Restwertes nicht enthalten sind, hat der BGH nun Feststellungen dazu getroffen, wie die Kaskobedingungen bzgl. der Restwertbestimmung auszulegen sind.
Ob die Kaskoversicherer jetzt anfangen, ihre Kaskobedingungen in Bezug auf die obige BGH-Entscheidung hin abzuändern, bleibt abzuwarten. Aber auch eine solche Änderung müsste sich immer noch daran messen lassen, ob sie überhaupt AGB-konform ist und den Kunden bzw. den Versicherungsnehmer unangemessen benachteiligt.
Soweit die Kaskobedingungen sich nicht zur Restwertbestimmung äußern, sollte der Versicherungsnehmer bei einer Kaskoabrechnung unbedingt darauf achten, dass sich der Restwert im Gutachten im Fall des Behaltens des verunfallten Fahrzeugs am regionalen Markt orientiert und nicht am Sondermarkt für Aufkäufer im Internet bzw. an einer solchen Restwertbörse.