Bis 2030 soll ein Drittel der Fahrleistung im Straßengüterverkehr elektrisch oder auf Basis strombasierter Kraftstoffe erbracht werden. Zur Erreichung dieses Ziels umfasst ein neues Gesamtkonzept des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) für Maßnahmen zur Fahrzeugförderung und den Aufbau von Tank- und Ladeinfrastruktur, sowie eine Anpassung des regulatorischen Rahmens (Lkw-Maut).
Rolle des Straßengüterverkehrs im Klimaschutzprogramm 2030
Die Treibhausemissionen sollen infolge des Bundes-Klimaschutzgesetzes im Verkehr um 42 Prozent im Jahr 2030 gegenüber 1990 reduziert werden. Der Straßengüterverkehr verursacht derzeit etwa ein Drittel der CO2-Emissionen des Verkehrssektors. Ein Drittel der Fahrleistung soll bis 2030 elektrisch oder auf Basis strombasierter Kraftstoffe zurückgelegt werden. Neben der europäischen Regulierung von CO2-Flottenzielwerten sieht das BMVI Fördermaßnahmen vor, um einen Markthochlauf alternativer Antriebstechnologien im Straßengüterverkehr zu erreichen. Es soll Förderungen für alle EG-Fahrzeugklassen N1, N2 und N3 geben.
Zur Verfügung stehende Fördermittel
Das BMVI stellt bis 2023 finanzielle Mittel in Höhe von 1,16 Milliarden Euro zur Förderung von Nutzfahrzeugen mit alternativen Antrieben und 4,1 Milliarden Euro zum Ausbau der notwendigen Infrastruktur zur Verfügung. Die notwendige Infrastruktur umfasst neben der Tank- und Ladeinfrastruktur auch eine Oberleitungsinfrastruktur.
Berücksichtigung von spezifischen Nutzungsszenarien bei der Förderung von Technologien
Die Eignung von alternativen Antriebstechnologien hängt stark von den jeweiligen Nutzungsszenarien ab, wobei Eigenschaften wie Nutzlast, Reichweite, Anschaffungs- und Betriebskosten, sowie Tank-/Ladedauer eine wesentliche Rolle spielen. Aus diesem Grund wird ein Technologiemix angestrebt, denn bestimmte alternative Antriebstechnologien sind für bestimmte Nutzungsszenarien besonders gut oder weniger gut geeignet.
Für leichte Nutzfahrzeuge der Klasse N1 eignet sich aus Sicht des BMVI besonders ein elektrischer Antrieb durch Batterie oder eine Wasserstoff-Brennstoffzelle. Bei geringen Tagesfahrleistungen wird der batterieelektrische Antrieb analog zum Pkw-Bereich favorisiert. Daher wird 2021 eine Förderung nichtöffentlicher Ladeinfrastruktur für Gewerbetreibende folgen. Bei schweren Nutzfahrzeugen der Klassen N2 und N3 könnten batterieelektrische, wasserstoffbasierte Antriebe und Oberleitungshybride zur Reduktion der CO2-Emissionen im Fernverkehr beitragen. Die praktische Einsetzbarkeit soll in zwei Phasen überprüft werden.
Drei Kernmaßnahmen des „Gesamtkonzepts klimafreundliche Nutzfahrzeuge“
Das Konzept des BMVI umfasst drei Kernmaßnahmen, um Nutzfahrzeuge mit alternativen Antrieben im Regional- und Fernverkehr zu etablieren:
1. Technologieoffene Förderung für die Anschaffung von Nutzfahrzeugen mit alternativen Antrieben
Die Anschaffung von Nutzfahrzeugen mit klimaschonenden Antrieben soll in den nächsten Jahren technologieoffen gefördert werden. Dafür stehen ab 2021 bis 2023 1,16 Milliarden Euro zur Verfügung. Durch Kaufprämien und Zuschüsse, sowie einer Erhöhung der Planungssicherheit bei der Förderung soll die Wettbewerbsfähigkeit von Nutzfahrzeugen mit alternativen Antrieben gegenüber Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben vor dem Hintergrund einer TCO-Betrachtung (Total Cost of Ownership) gesteigert werden.
2. Konzepte für Ladesäulen, Oberleitungssysteme und Wasserstoff-Tankstellen für Lkw
Die zweite Maßnahme ist ein vom BMVI gesteuerter Aufbau der notwendigen Tank- und Ladeinfrastruktur für alternativ angetriebene Nutzfahrzeuge: In einer „Skalierungsphase“ (2020 bis 2023) soll die praktische Einsetzbarkeit von batterieelektrischen und Brennstoffzellen-Antrieben, sowie hybride Oberleitungsantriebe in realen logistischen Prozessen erprobt werden. Anschließend sollen ausstehende Entwicklungsschritte angegangen, Standards gesetzt und konkrete Pläne für einen flächendeckenden Aufbau der erforderlichen Infrastruktur erarbeitet werden. In der „Roll-out-Phase“ ab etwa Ende 2023 soll dann ein bedarfsgerechter Aufbau der Infrastruktur erfolgen.
3. Anpassung des regulatorischen Rahmens: CO2-Differenzierung der Lkw-Maut ab 2023
Zudem schreibt sich das BMVI die Einführung einer CO2-Differenzierung der Lkw-Maut und eines erstmalig erhobenen CO2-Aufschlags auf die Lkw-Maut ab 2023 auf die Agenda. Emissionsarme oder emissionsfreie Lkw können dann mit einer Ermäßigung der Maut-Gebühren um bis zu 75 Prozent rechnen. Um die Technologieoffenheit zu wahren, wird die Emissionsreduktion und nicht die Antriebstechnologie in den Blick genommen.
Das Gesamtkonzept zur Förderung von klimafreundlichen Nutzfahrzeugen kann unter www.bmvi.de heruntergeladen werden.
(061-04/Roland Blind)