Wie bereits in den letzten beiden Jahren hat der Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG) erneut eine Checkliste erstellt, die bei der Geschäftsplanung für das Jahr 2022 helfen soll. Einige Punkte sind neu, andere die gleichen wie im letzten Jahr.
Bei der Absatz- und Umsatzplanung bleibt zunächst festzuhalten, dass in den ersten zwei Dritteln des Jahres 2020 der Absatz von Diesel 1,6 Prozent und der von OK 1,8 Prozent unter den jeweiligen Zahlen des Pandemie-Jahres 2020 lagen, trotz relativ starker Absätze im August 2021. Für das nächste Jahr bleibt weiterhin die Frage, wie stark sich die durch die Corona-Pandemie ausgelösten langfristigen Verhaltensänderungen auswirken werden. Bereits heute ist klar, dass die Kraftstoffabsatzzahlen des Jahres 2019 in Deutschland nicht wieder erreicht werden können. Speziell große Firmen verkünden immer häufiger, dass sie nicht zu den Dienstreise-, Meeting- und Bürogewohnheiten aus der Zeit vor Corona zurückkehren werden. Videokonferenzen und Home-Office-Lösungen werden bleiben, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie während der Lockdowns. Absatzschwächend kommen folgende Punkte hinzu: Die Kraftstoffpreise werden sich bis weit in das nächste Jahr hinein auf hohem Niveau bewegen, wozu auch die weitere Stufe der CO2-Steuer (ca. 1,5 Cent/l brutto) beiträgt, was sich besonders auf die Privatfahrten auswirkt. Bereits in diesem Jahr spüren freie und mittelständische Tankstellen den privaten Nachfragerückgang stärker als die mit ihren Kartensystemen stärker auf den gewerblichen Bereich ausgerichteten Stationen der großen Konzerne. Nicht zuletzt wirkt sich inzwischen auch der steigende Anteil von Elektro-Pkw bei den Neuzulassungen in den Absatzmengen aus.
Diese Überlegungen zur künftigen Absatzentwicklung gelten generell für das gesamte Tankstellennetz. An einzelnen Standorten kann die Absatzplanung anders aussehen, aber dann muss es dafür gute Gründe geben.
Fast unplanbar sind zum jetzigen Zeitpunkt die Personalkosten für das nächste Jahr. Zu 100 Prozent sicher sind nur die bereits im letzten Jahr festgelegten Steigerungen des gesetzlichen Mindestlohns
(9,82 Euro/Std. ab 1. Januar 2022, 10,45 Euro ab 1. Juli 2022). Dabei wird es nicht bleiben: Die künftige Regierungskoalition hat schon klargestellt, dass der gesetzliche Mindestlohn im nächsten Jahr auf zwölf Euro steigen soll – unklar ist nur, ob in einem oder in zwei Schritten und zu welchem Zeitpunkt. Gleichzeitig soll – zumindest nach dem Sondierungspapier vom 15. Oktober 2021 – die Verdienstgrenze für Minijobs auf 520 Euro pro Monat angehoben werden.
Ein gesetzlicher Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde betrifft Tankstellen in Deutschland sehr unterschiedlich. In manchen süddeutschen Großstädten ist für diesen Stundenlohn bereits jetzt niemand mehr bereit zu arbeiten, in anderen Gegenden würden zwölf Euro Mindestlohn eine Personalkostenerhöhung von 20 Prozent bedeuten. Eines ist klar: Ein gesetzlicher Mindestlohn in dieser Höhe hat einen Hebeeffekt auf alle Löhne – Beschäftigte, deren Entlohnung heute 25 Prozent über Mindestlohn arbeiten, werden diesen Abstand auch in Zukunft behalten wollen. Ansonsten werden sie in großer Zahl in Wirtschaftsbereiche abwandern, die bereits heute wesentlich besser bezahlen (können) als viele Tankstellenbetreiber.
Zur Planung der Energiekosten für das Jahr 2022 folgende Hinweise der egus Energieberatung: Zwingend unterschieden werden muss zwischen Tankstellen mit auslaufenden Lieferverträgen (drastische Erhöhung) und Tankstellen, bei denen die Lieferverträge mit Preisgarantie noch mindestens ein Jahr weiterlaufen (ggf. sogar Kostenreduzierung). Tankstellenbetreiber, deren Lieferverträge zum Jahresende 2021 auslaufen oder gekündigt wurden, werden nicht selten eine Preiserhöhung von zehn Cent verkraften müssen, was bei einem durchschnittlichen Tankstellenverbrauch von 100.000 kWh dann eine Preiserhöhung von 10.000 Euro netto ausmacht – für eine Tankstelle.
Demgegenüber steht dann die (Stand heute) feststehende Absenkung der EEG-Umlage von 6,50 auf 3,723 Cent – die Einsparung von 2,777 Cent macht dann rund 2.800 Euro netto aus, also lediglich etwas mehr als ein Viertel der Energiepreiserhöhung. Abhängig vom Stromnetzbetreiber werden in der Regel auch die Netzentgelte im kommenden Jahr erhöht, was sich dann ebenfalls auf den Stromrechnungen niederschlägt. Planungen für das nächste Jahr sollten auf Basis der bekannten effektiven Verbrauchskomponenten vorgenommen werden.
Bei den Entsorgungskosten lässt sich keine generelle Prognose für ganz Deutschland stellen. In einzelnen Kommunen steigen die Grundgebühren um fast 30 Prozent, anderswo bleiben sie stabil.
Die Checkliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir können auch in diesem Jahr nur raten, die Checkliste zu nutzen, mit eigenen Überlegungen zu ergänzen und mit ihrer Hilfe die eigene Geschäftsplanung zu erstellen, zur Not völlig unabhängig von der Planung der eigenen Mineralölgesellschaft. Denn Sinn einer Geschäftsplanung sollte nicht sein, von vornherein das (Höchst-) Einkommen eines Pächters festzulegen, sondern ein Kontrollinstrument für die Geschäftsentwicklung des nächsten Jahres in die Hand zu bekommen. Die Checkliste kann auf www.kfz-bw.de unter Mitglieder / Unser Service für Mitglieder / Downloads / Monatsdienst heruntergeladen werden.