Der Energie Informationsdienst (EID) hat im Rahmen seines Specials „tanken + laden“ die aktuellen Tankstellenbestandszahlen veröffentlicht. Das deutsche Straßentankstellennetz umfasst danach zum Jahresende 2025 nach Schätzung 13.952 Straßentankstellen sowie 356 Autobahntankstellen, zusammen also 14.308 Stationen. Die Netzentwicklung setzt damit den Trend des ersten Halbjahres 2025 fort, wenn auch in geringerem Tempo: Zum 1. Juli 2025 waren es noch 13.947 Straßentankstellen. Der leichte Zuwachs auf 13.952 zum Jahresende dürfte in erster Linie auf Unschärfen in der Erhebungsmethodik zurückzuführen sein. Ohnehin sehen wir die Hauptbedeutung der Erhebung in der Trendbetrachtung. Die aktuellen Tankstellenzahlen können am Ende des Artikels aufgeschlüsselt nach Bundesländern entnommen werden.
Der EID charakterisiert die Gesamtbewegung mit der Formel „Stunde der Mittelständler“: Während die großen Mineralölgesellschaften jeden Standort auf seine Rendite hin überprüfen und im Zweifelsfall abgeben, runden mittelständische Betreiber ihre Netze ab. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (En2X) hat darauf hingewiesen, dass inzwischen 65 Prozent der deutschen Tankstellen von Gesellschaften oder einzelnen Unternehmern betrieben werden, die nicht an einer Raffinerie beteiligt sind – ein Strukturwandel, der sich in den Zahlen der einzelnen Marken unmittelbar widerspiegelt. Hintergrund sind immer konsequentere Renditevorgaben der großen Gesellschaften für jeden Standort: Glaubt man einer auf dem Uniti Mobility Payment Forum Anfang 2026 gefallenen Aussage, so setzen die A-Gesellschaften pro Standort wohl weniger als 1,6 Millionen Liter Ottokraftstoff im Jahr ab, während es beim gehobenen Mittelstand 2,3 Millionen sind. Absatz- und renditeschwächere Standorte werden verkauft – und von Mittelständlern übernommen.
Zu den einzelnen Netzen:
• BP ist unter der Aral-Marke zwar weiter der Marktführer, verzeichnet aber zum Jahresende 2025 mit 2.205 Stationen den größten absoluten Rückgang aller Marken: gegenüber dem Jahresbeginn 2025 (2.252) sind das 47 Stationen weniger. Aral-Chef Achim Bothe hat auf dem Uniti Mobility Payment Forum Anfang 2026 klargestellt, dass das Aral-Netz von BP nicht verkauft werde – im Gegensatz zum holländischen und österreichischen Netz. An 339 Aral-Tankstellen gibt es Ladesäulen; im Netz von Aral Pulse (BP Europa) sind es laut EID 2.980 Schnelllader (>49 kW), was weder zu den in den Vorjahren genannten Zahlen noch zu einer aktuellen Aral-Meldung passt, in der die Gesellschaft den 4.000 Ladepunkt in ihrem Netz feiert. Offensichtlich muss man sich noch auf Begrifflichkeiten wie Ladesäule und Ladepunkt einigen.
• Shell kommt zum Jahresende auf 1.916 Stationen (einschließlich der unter bft-Zeichen betriebenen Rheinland-Kraftstoff-Stationen) und hat damit im zweiten Halbjahr leicht zugelegt, nachdem die Zahl zur Jahresmitte auf 1.896 zurückgegangen war. Shell baut gleichzeitig sein Recharge-Netz konsequent aus: 2.142 Ladepunkte, davon 2.078 im Schnellladebereich – der größte Zuwachs (+687) unter allen erfassten Betreibern innerhalb eines Jahres.
• Total Energies (Circle K) zählt zum Jahresende 1.122 Stationen, nochmals weniger als zur Jahresmitte (1.139). Das Netz befindet sich weiterhin im Übergang: Hinter der weiterhin unter TotalEnergies geflaggten Infrastruktur steht jetzt die Couche-Tard Deutschland GmbH & Co. KG als Eigentümerin. Wir rechnen in diesem Netz mit weiteren Veränderungen, da das Convenience-Konzept des neuen Eigentümers nicht zu allen übernommenen Standorten passt.
• Unter das Esso-Netz (EG / Exxon Mobil) zählt der EID zum 31.12.2025 1.121 Stationen (zuzüglich 26 unter der Marke TopTank und 4 weiterer). Exxon Mobil versorgt im Rahmen seiner Mehrmarkenstrategie nicht nur Esso-gebrandete Stationen der EG Group, sondern auch TopTank, SIT und FT. Die EG Group hat im zweiten Halbjahr 2025 flächendeckend Automatenstationen eingeführt: Zum Jahresende werden bereits 69 Esso-Stationen ohne Personal betrieben (Jahresmitte 2025: noch keine) – ein Schritt, den wir als deutliches Marksignal für die Branche werten. An den EG-Esso-Tankstellen gibt es inzwischen 80 Rewe-Express-Shops, deren Zahl noch deutlich steigen soll.
• JET (Phillips 66 / EEP–Stonepeak) weist nach der EID-Zählung zum Jahresende 686 Stationen aus – erheblich weniger als die 808 zur Jahresmitte genannten. Hintergrund könnte der zum 1. Dezember 2025 vollzogene Eigentümerwechsel sein: Phillips 66 hält seitdem nur noch 35 Prozent am Jet-Netz; 65 Prozent liegen bei den strategischen Investoren EEP–Stonepeak. In der neuen Struktur werden die weißen bzw. Supermarktstation offenbar anders als früher nicht mehr mitgezählt. Allerdings zeigt die EID-Statistik weder bei den Supermarkt-Stationen noch bei den „Doppelzählungen“ einen entsprechenden Zuwachs – obwohl die Stationen natürlich nicht alle vom Markt verschwunden sind.
Bei den übrigen mittelständischen Marken gab es keine nennenswerten zahlenmäßigen Veränderungen. Classic (Lühmann) hat sein Netz per saldo um zehn Standorte auf 203 ausgebaut, Raiffeisen kommt auf 795 Stationen (Jahresmitte: 741); auch Score und Team Energie haben ihr Netz ganz leicht vergrößert.
Der Bestand der Autobahntankstellen beträgt zum Jahresende unverändert 356 Stationen. Die Autobahntankstellen Sternenberg Nord und Süd an der A46 sind wegen langfristiger Bauarbeiten weiterhin geschlossen. Bei der Verteilung der Einlieferungsrechte hat es über das zweite Halbjahr geringfügige Verschiebungen gegeben: Shell führt mit 75 Einlieferungen, gefolgt von Aral / BP (51), Uniti (49), ENI (35) und bft (34). Der Wettbewerb um Ladesäulen an Autobahnen wird nach einer gerichtlichen Entscheidung vom März 2026 noch einmal neu aufgerollt werden müssen: Der holländische Öko-Stationsbetreiber Fastned hat erstritten, dass Tank & Rast und die Ostdeutsche Tankstellengesellschaft die Standorte nicht freihändig vergeben dürfen.
Weiter rückläufig ist die Zahl der Autogasstationen: Zählte der DVFG zur Jahresmitte noch 5.611, waren es zum 31.12.2025 nur noch 5.542 Stationen. Die großen Betreiber Circle K (TotalEnergies), BP (Aral) und Shell haben Standorte in je zweistelliger Zahl aufgegeben; in keinem Bundesland gab es Zuwächse. Angesichts fehlender Fahrzeugneuzulassungen mit LPG-Antrieb kann dieser Trend nicht überraschen.
Wie viele CNG-(Erdgas-)Tankstellen es in Deutschland insgesamt noch gibt, lässt sich nur schätzen, da weder die Deutsche Energie-Agentur noch die Brancheninitiative „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“ seit Dezember 2022 Gesamtzahlen liefern. Aus den EID-Unternehmensabfragen ergibt sich eine Gesamtzahl von schätzungsweise knapp 700 Stationen zum Jahresende 2025. OG Clean Fuels (OrangeGas) betreibt mit 156 die meisten davon, vor Aral (119) und Circle K (91). Am stärksten zurückgegangen ist Shell: von 52 Stationen Ende 2022 auf nur noch 3 zum Jahresende 2025.
Die Situation beim Wasserstoff hat sich weiter verschlechtert: Die Zahl der 700-bar-Stationen für den Pkw-Bereich war von 76 (1.1.2025) auf 70 Stationen zur Jahresmitte 2025 gesunken (1.1.2024 waren es noch 94). Zahlen für das Jahresende zeigt der EID nicht, doch allein H2 Mobility hat im letzten Halbjahr über 20 Stationen wegen mangelnder Nachfrage geschlossen – dieser Abbau zeigt sich nun in den Zahlen. Bei der Zahl der 350-bar-Stationen für den Schwerverkehr sieht es etwas anders aus, doch fehlen auch hier die Zahlen zum Jahresende 2025.
Bei den Tabellen zu den Ladepunkten zeigt sich erneut, dass die Zahl und Qualität des Ladenetzes erheblich schneller als der Bestand an Elektrofahrzeugen wächst. Deutschland verfügt laut Bundesnetzagentur zum 25. März 2026 über 195.570 Ladepunkte (+24.472 gegenüber dem Vorjahresstand), davon 17.049 Schnelllader (>49 kW). Im Ultraschnellladesegment (>149 kW) bleibt EnBW Mobility+ mit 8.347 Punkten klarer Führer, vor Tesla (3.657, alle Ultraschnell) und EWE Go (1.929). Über bei weitem die meisten Tankstellen mit Ladesäulen verfügen Aral und Shell. Die knappe Auslastung von im Mittel nur rund 15 Prozent aller Ladepunkte – im Schnellladebereich noch geringer – zeigt, so der EID, dass der weitere Ausbau davon abhängen wird, wer den längeren finanziellen Atem hat.
Weitere Details finden Sie in den Tabellen, welche auf www.kfz-bw.de/monatsdienst heruntergeladen werden können.
Da dem Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG) die Unschärfe in den EID-Zahlen aufgefallen ist, hat er beim Bundeskartellamt die Anzahl der Tankstellen abgefragt, die an die MTS-K melden. Insgesamt gibt es demnach derzeit (Stand 28.04.2026) in Deutschland noch 15.006 Tankstellen – mindestens, denn laut § 3 MTSKraftV können sich Tankstellen mit einem Jahresgesamtdurchsatz von Otto- und Dieselkraftstoffen von 750 Kubikmetern oder weniger auf Antrag von der Meldepflicht befreien lassen — sowie Tankstellen, bei denen die Einhaltung der Meldepflicht eine unzumutbare Härte bedeuten würde. Da uns das Bundeskartellamt nur die Zahlen der meldenden Tankstellen mitgeteilt hat, dürfte die Gesamtzahl der Tankstellen in Deutschland noch etwas höher liegen.
Die Tabelle weist neben der absoluten Stationsanzahl zwei abgeleitete Kennzahlen aus:
Tankstellendichte (TS je 100 km²): Maßstab für die flächenbezogene Versorgungsinfrastruktur eines Bundeslandes.
Pkw-Versorgungskennzahl (Pkw je Tankstelle): Gibt an, wie viele zugelassene Pkw statis-tisch auf eine Tankstelle entfallen – ein Wert, mit dem sich auf die Nachfragebelastung je Station schließen lässt.
Hinweise zur Methodik
Die Tankstellenzahlen umfassen alle meldepflichtigen öffentlichen Stationen (Super E5, E10, Diesel). Die Pkw-Versorgungskennzahl ist ein rechnerischer Näherungswert. Sie sagt nichts über den tatsächlichen Kundendurchsatz aus, da der Zulassungsort des Fahrzeugs vom Tankstandort abweichen kann (z.B. Pendler, Transitverkehr, Zulassung auf Autovermieter oder Firmenzentralen). Stadtstaaten weisen durch ihren hohen ÖPNV-Anteil und wegen schlechterer Pkw-Abstellmöglichkeiten strukturell niedrigere Pkw-Bestände je Einwohner auf.
