Die Tankstellenüberfälle erreichen den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung, doch der Schusswaffeneinsatz in einem Drittel aller Fälle mahnt zur Wachsamkeit.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025, die Bundesinnenminister Alexander Dobrindt am 20. April 2026 gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz und dem Präsidenten des Bundeskriminalamts vorgestellt hat, weist für das Delikt „Raub und räuberische Erpressung auf/gegen Tankstellen“ bundesweit 497 Fälle aus. Das ist der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung – und ein erneuter Rückgang gegenüber den Vorjahren (2024: 513 Fälle, 2023: 678 Fälle). Seit dem Höchststand im Jahr 2003 mit über 1.250 Fällen hat sich die Zahl damit auf weniger als ein Viertel reduziert.
Dieser Rückgang fügt sich in eine allgemein positive Kriminalitätsentwicklung ein: Laut PKS 2025 sanken die bundesweit registrierten Straftaten insgesamt um 5,6 Prozent, und auch die Gewaltkriminalität ging nach dem Anstieg der Vorjahre wieder zurück. Speziell für Tankstellen gilt: Es hat sich unter Kriminellen offenbar herumgesprochen, dass aufgrund der Zunahme des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und verbesserter Sicherungssystem immer weniger Bargeld zu holen ist.
Die Aufklärungsquote bei Tankstellenüberfällen liegt für 2025 bei 62,0 Prozent (308 von 497 Fällen). Sie ist damit gegenüber dem Rekordjahr 2024 (67,1 Prozent) merklich zurückgegangen, bleibt aber im Vergleich zur allgemeinen Aufklärungsquote (57,9 Prozent) weiterhin überdurchschnittlich hoch. Der Rückgang dürfte zumindest teilweise darauf zurückzuführen sein, dass im Vorjahr eine größere Zahl von Serientätern gefasst wurde – ein Effekt, der sich naturgemäß nicht jedes Jahr wiederholt.

Regional bleibt das Bild differenziert. Berlin ist mit 59 Überfällen (nach 54 im Vorjahr) bei 270 Tankstellen weiterhin der mit Abstand problematischste Standort: Das Überfallrisiko für eine Berliner Tankstelle liegt bei rund 21,9 Prozent – mehr als viermal so hoch wie in Nordrhein-Westfalen, das mit 146 Fällen (nach 168 im Vorjahr) die absolut höchste Fallzahl aufweist. Am anderen Ende der Skala stehen Mecklenburg-Vorpommern mit lediglich einem registrierten Fall und Bayern. In Bayern gab es zwar 19 Fälle, doch liegt das Risiko in diesen beiden Ländern deutlich unter einem Prozent.

Trotz des erfreulichen Rückgangs bleibt festzuhalten: Tankstellenüberfälle sind keine Bagatelldelikte. In rund einem Drittel aller Fälle wurde mit einer Schusswaffe gedroht, in sieben Fällen wurde tatsächlich geschossen. Von den 360 ermittelten Tatverdächtigen waren 96,7 Prozent männlich; der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger lag bei 30,3 Prozent und damit deutlich unter dem entsprechenden Anteil bei der Gewaltkriminalität insgesamt (42,9 Prozent).