Kraftstoffpreise befördern BEV-Nachfrage im Handel
Der Automobilhandel in Deutschland ist Krisen gewohnt, prämienerprobt und hat eine professionelle Sicht auf den Gesamtmarkt. So könnte eine Kernbotschaft des aktuellen DAT Barometers lauten, für das der Autohandel im Mai 2026 befragt wurde. Zum Zeitpunkt dieser Befragung lagen erste Erfahrungen mit der neuen staatlichen Prämie vor, aber vor allem prägten die hohen Kraftstoffpreise das Marktgeschehen. Nicht direkt – aber indirekt. Denn eine der Auswirkungen ist die gestiegene Nachfrage nach gebrauchten BEV, vor allem in der Preisklasse um die 20.000 Euro. Von diesen Fahrzeugen könnte der Handel mehr verkaufen, wenn es sie derzeit in größeren Stückzahlen gäbe.
Ein weiterer, für den Standort Deutschland relevanter Faktor beeinflusst ebenfalls die Geschäftstätigkeit des Automobilhandels: die gesamtwirtschaftliche Situation. Diese handfeste Standortkrise hat starke Auswirkungen auf das Firmen- und Endkundengeschäft der Autohäuser. Vielen Firmenkunden geht es wirtschaftlich nicht gut, was sich auf ihre Fuhrparks auswirkt, die entweder kleiner werden und/oder seltener ihre Fahrzeuge tauschen.
Viele Endkunden investieren geringere Summen und vor allem zurückhaltender in neue oder gebrauchte Pkw. Das alles schlägt sich dann insgesamt auf die Situation im Handel nieder und zeigt sich auch in der Tatsache, dass viele Fahrzeuge zu lange stehen, was die Erträge zusätzlich schmälert. Unter allen Händlern gibt es aber auch die zuversichtlichen Betriebe, die ihre Geschäftsaussichten im zweiten Halbjahr positiver als momentan einschätzen. Zwölf Prozent sind es aktuell, 51 Prozent waren es 2021. Für die Branche wäre es ein erstrebenswertes Ziel, dort wieder hinzukommen.
Optimisten bleiben in der Minderheit:
Mehr als die Hälfte der befragten Händler schätzt die Geschäftsaussichten für das 2. Halbjahr als gleichbleibend, ein knappes Drittel als schlechter ein. Und dass, obwohl hohe Kraftstoffpreise zu einer gestiegenen Nachfrage nach BEV (vor allem gebrauchten) führte.
Fakt bleibt aber: Die gesamtwirtschaftliche Situation ist angespannt, auch wenn sich im Vergleich zu vor zwei Jahren die Situation bei jungen Gebrauchten und die Beschaffungssituation generell weniger herausfordernd darstellt. Nur gut ein Drittel berichtet, dass der Einkauf von Fahrzeugen beim Hersteller schwierig sei, 44 Prozent bestätigen, dass junge Gebrauchte – egal mit welcher Antriebsart – knapp wären.
Günstige Elektrofahrzeuge? Mangelware:
Gebrauchte BEV unter 20.000 Euro werden durch die hohen Kraftstoffpreise derzeit stark nachgefragt, sind aber ein knappes Gut. Das sagen über 70 Prozent der Händler. In diesem Kontext spielen Batteriezertifikate durchaus eine Rolle, denn 61 Prozent der Händler bestätigten, dass sie vermehrt Nachfrage nach gebrauchten BEV mit einem solchen Zertifikat haben.
Über 80 Prozent der Händler stimmten auch der Aussage zu, dass BEV-Käufer für einen erhöhten Beratungsaufwand sorgen. Dies stärkt die Position des Handels und unterstreicht, wie wichtig dieser beim Autokauf ist. Immerhin handeln nahezu alle Autohändler hierzulande mit BEV. Ein wichtiger Treiber der Nachfrage nach diesen Pkw bleibt der Kraftstoffpreis.
Kritische Sicht auf die Förderprämie überwiegt:
Ähnlich wie im DAT Barometer Mai 2026, als die privaten Kaufplaner nach der Prämie gefragt wurden, gaben nun auch die Händler ihre Sicht auf die staatliche Prämie zu Protokoll. Interessant hierbei: Über 90 Prozent aller Befragten fanden mindestens einen Kritikpunkt an der Prämie, während nur knapp 60 Prozent der Händler der staatlichen Prämie mindestens einen positiven Aspekt abgewinnen konnten.
Die Reihenfolge der Kritikpunkte ist identisch mit der bei den privaten Kaufplanern. Was Händler dagegen deutlich positiver als die Kaufplaner finden und damit als ersten Platz in der Rangfolge sehen, ist der mit der Prämie verbundene niedrigere Anschaffungspreis.
Elektrifizierte Pkw stehen länger als Verbrenner:
In der Analyse der Standtage von Gebrauchtwagen bleiben PHEV mit 97 Tagen weiterhin an der Spitze, gefolgt von BEV mit 93 Tagen. Verbrenner stehen gut zehn Tage kürzer und verweilen im Schnitt 81 Tage auf den Höfen. Die hohen Standzeiten der elektrischen Pkw werden vor allem durch die hochwertigen und sehr teuren BEV und PHEV geprägt. Auch wichtig im Gesamtzusammenhang: Fast 30 Prozent aller Gebrauchtwagen stehen länger als 90 Tage und gelten somit als Risikobestand. Dies kann für den Handel insofern zum Problem werden, denn die Kosten pro Pkw und Standtag belaufen sich momentan auf rund 25 Euro. Diese mit der Anzahl der Pkw und Standtage multipliziert, zeigt die Risiken dieser langen Standzeiten.
Private BEV-Neuzulassungen wieder leicht gestiegen:
In den vergangenen Monaten haben private Endverbraucher rein zahlenmäßig stets mehr gebrauchte BEV als neue BEV erworben. Vor allem bedingt durch die hohen Kraftstoffpreise ist die Nachfrage im März und April stark gestiegen – auffällig stark bei gebrauchten BEV, und dies, obwohl es für diese Fahrzeuge keinerlei Förderprämie gibt.
Mit über 42.000 Einheiten konnten die gebrauchten BEV im April sogar die gewerblich neu zugelassenen BEV (35.500 Einheiten) übertrumpfen und ihren Abstand zu den privat neu zugelassenen BEV ausbauen. Im Mai sanken die BEV-Besitzumschreibungen auf knapp 30.600, während sich die privat neu zugelassenen BEV mit knapp 31.000 BEV erstmals seit langer Zeit wieder vor die Gebrauchtwagen schoben.
Die ausführliche Darstellung der einzelnen Themen findet sich unter DAT Barometer Juni 2026.