Seit Wochen erhalten Tankstellenbetreiber vermehrt Angebotsmails, die vorgeblich von etablierten Lieferanten stammen, vor allem von Lekkerland, aber auch von angeblichen AdBlue-Herstellern und –Händlern. Hinter diesen Mails steht kein seriöses Angebot, sondern eine bundesweite, branchenübergreifende Betrugsmasche.
Wie die Masche funktioniert: Der Absender tritt unter dem Namen eines real existierenden Vertriebsmitarbeiters auf – etwa „Hans Möller“ für Lekkerland – und verwendet eine täuschend ähnliche, aber gefälschte Domain. Lekkerland nennt in seiner Warnung u. a. hansmoeller-lekkerland.de, sonderaktion-lekkerland.de und bestellannahme-lekkerland-se.de. Keine davon gehört zum Unternehmen. Das Impressum in der Signatur wird eins zu eins von der echten Firmenwebseite kopiert. Beworben werden Standardartikel wie Red Bull zu unrealistisch niedrigen Preisen oder AdBlue in Staffelpreisen deutlich unter Marktniveau. Ergänzend wird ein „vollständiger Katalog“ mit Rabatten bis zu 70 Prozent auf Tabakwaren, Spirituosen, Süßwaren und Kaffee angeboten. Auffällig ist der Hinweis in den Mails, auch Privatpersonen oder Interessenten ohne Kundennummer könnten bestellen. Tatsächlich beliefert Lekkerland ausschließlich gewerbliche Kunden mit bestehender Kundennummer. Wer bestellt, erhält eine Rechnung mit Zahlungsziel Vorkasse auf ein Konto, das häufig auf eine Privatperson lautet. Die Ware wird nie geliefert. Das Geld ist praktisch nicht mehr zurückzuholen, weil die Zahlung meist über einen sogenannten „Finanzagenten“ innerhalb weniger Stunden weitergeleitet wird.
Kein Einzelfall der Tankstellenbranche: Dieselbe Vorgehensweise ist derzeit auch aus anderen Branchen bekannt. Berichtet wird über Phishing-Mails im Kfz-Handel, in denen sich Kriminelle als seriöse Autohäuser ausgeben Die Verbraucherzentrale Hessen warnt zeitgleich vor Fake-Kanzleien, die Werkzeuge, Verbrauchsmaterial und Solar-Komponenten aus vermeintlichen „Insolvenzmassen“ per Vorkasse anbieten. Identität und Handelsregisterdaten realer Kanzleien werden dabei missbraucht. Das gemeinsame Muster: unaufgeforderte Kontaktaufnahme, gestohlene Identität eines seriösen Absenders, ungewöhnlich günstiger Preis, Ausschluss der Selbstabholung, Zahlung ausschließlich per Vorkasse auf ein fremdes Konto.
Woran die Mails erkennbar sind: Die tatsächliche Absenderadresse weicht – auch wenn der angezeigte Name stimmt – von den offiziellen Domains ab. Bei Lekkerland sind das ausschließlich @lekkerland.com, @news.lekkerland.com, @lekkerland.de und @info.lekkerland.de. Fährt man mit der Maus über die Absenderadresse, wird die tatsächliche Adresse sichtbar. Die Preise liegen deutlich unter Marktniveau, häufig verbunden mit einem PDF-Katalog im Anhang. Zahlung wird ausschließlich per Vorkasse verlangt, oft auf ein Konto, dem der Name einer Privatperson vorangestellt ist. Selbstabholung ist ausgeschlossen. Die Lieferung erfolgt angeblich „kostenfrei per Spedition“. Der Bestellprozess soll über die Antwortfunktion der Mail erfolgen und nicht über bekannte Kanäle.
Empfehlungen an die Mitgliedsbetriebe: Anhänge und Links in verdächtigen Mails sollten grundsätzlich nicht geöffnet werden. Bestellungen sind ausschließlich über die bekannten und vertraglich hinterlegten Bestellwege abzuwickeln. Jede neue Bankverbindung – auch bei bestehenden Lieferanten – ist telefonisch unter einer bekannten Rufnummer gegenzuprüfen. Verdächtige Mails können an betrug@lekkerland.com weitergeleitet und anschließend gelöscht werden. Der Vorfall sollte zusätzlich der eigenen Gesellschaft gemeldet werden. Ist ein Betrieb bereits Opfer geworden, sollte er umgehend die Bank informieren und Strafanzeige erstatten. Möglich ist das online über portal.onlinewache.polizei.de.
Wichtig ist die Weitergabe dieser Informationen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere, wenn sie für Einkauf und/oder in der Buchhaltung tätig sind. Grundregel bleibt: Was zu gut erscheint, um echt zu sein, ist auch meistens nicht echt.