Wir kommen auf unseren Bericht im Monatsdienst 04/26 zurück, mit dem wir die EID-Tankstellenerhebungen per 31.12.2025 kommentiert hatten. Der EID hat nunmehr sein Sommer-Special „tanken + laden“ (II/2026, 21.09.2026, Stichtag 30.06.2026) veröffentlicht, das die Halbjahreszahlen für 2026 enthält. Die Schlagzeile: Das deutsche Straßentankstellennetz hat demnach die 14.000-Stationen-Marke wieder überschritten.
Der EID zählt zum 30.06.2026 14.029 Straßentankstellen sowie 358 Autobahntankstellen, zusammen also 14.387 Stationen. Gegenüber dem bisherigen Tiefststand per 01.07.2025 (13.947 Straßentankstellen) entspricht das einem nominellen Plus von 82 Stationen. Die Redaktion des EID rätselt schon: „Wieder mehr als 14.000 Tankstellen – wegen der hohen Preise?“ Die Antwort ist allerdings viel einfacher: Der EID kann nur zählen, was ihm von Unternehmen und Verbänden gemeldet wird. Tatsächlich liegt der Tankstellenbestand in Deutschland erheblich höher: Eine Nachfrage beim Bundeskartellamt über alle an die Markttransparenzstelle (MTS-K) meldenden Tankstellen ergab per 28.04.2026 15.006 Stationen – und selbst das sind wahrscheinlich noch nicht alle, weil sich Tankstellen mit einem Jahresgesamtdurchsatz von 750 Kubikmetern oder weniger auf Antrag von der Meldepflicht befreien lassen können. Der vermeintliche Anstieg im EID-Netz hat also wenig bis nichts mit den hohen Kraftstoffpreisen seit dem Irankrieg zu tun. Es ändert sich vielmehr die Erfassungsbreite: Der EID hat in dieser Ausgabe erstmals Automatenstationen einheitlich mitgezählt. Allein bei Aral kamen dadurch 99 Stationen zusätzlich in die Statistik, was einen tatsächlich leicht schrumpfenden Kern des Netzes statistisch überdeckt. Im Übrigen sehen auch wir die Hauptbedeutung der EID-Erhebung in der Trendbetrachtung, nicht in der Absolutzahl.
Aral-Chef Achim Bothe hat sich zu der Frage, ob die Preissituation der Infrastruktur nütze oder schade, gegenüber dem EID differenziert geäußert: Eine abschließende Bewertung sei noch nicht möglich; mittelfristig rechne er mit einer Konsolidierung des Marktes. Besonders hingewiesen hat er auf den Mindestlohnanstieg um 8,4 Prozent auf 13,90 Euro in diesem Jahr, der Tankstellenbetreiber vor erhebliche Herausforderungen stelle und dazu geführt habe, dass viele Öffnungszeiten reduziert worden seien. Die Kollegen vom BFT werden mit der bekannten Tatsache zitiert, dass nach der Festlegung des täglichen Höchstpreises auf 12 Uhr mittags der Kraftstoffabsatz in den folgenden zwei Stunden zusammengebrochen sei; auch der Shopabsatz habe stark gelitten.
Zu den einzelnen Netzen:
– Aral (BP) verteidigt mit 2.272 Stationen die Marktführerschaft, obwohl der nominelle Zuwachs gegenüber dem Jahresende 2025 (2.205) fast ausschließlich auf die erstmalige Einbeziehung der 99 Automatenstationen zurückzuführen ist; tatsächlich ist das Netz also leicht geschrumpft.
– Shell verfügt über 1.887 Stationen und ist damit erstmals unter die 1.900 gerutscht (31.12.2025: 1.916). Im Ladebereich holt Shell indes stark auf: 2.416 Ladepunkte, davon 2.340 im Ultraschnellsegment – der drittstärkste Zuwachs aller Betreiber im letzten Jahr.
– Total Energies (Circle K) zählt 1.121 Stationen (31.12.2025: 1.122), nahezu unverändert.
– Esso (EG / Exxon Mobil) zählt 1.122 Stationen (zuzüglich 28 TopTank und 3 SIT / FT). Die EG Group hat ihren Automatenanteil weiter deutlich ausgebaut: 112 Esso-Stationen (10 Prozent) werden jetzt ohne Personal betrieben (+62 Prozent gegenüber Jahresende 2025).
– JET (EEP–Stonepeak / Phillips 66) zählt 687 Stationen (31.12.2025: 686), praktisch unverändert. Auch hier dürfte der nominelle Sprung in der Jahresendstatistik (von 808 auf 686) damit zusammenhängen, dass die weißen bzw. Supermarktstationen offenbar anders als in früheren Jahren nicht mehr mitgezählt werden. Allerdings zeigt die EID-Statistik weder bei den Supermarkt-Stationen noch bei den „Doppelzählungen“ einen entsprechenden Zuwachs – obwohl die Stationen natürlich nicht alle vom Markt verschwunden sind.
– Hoyer springt auf 295 Stationen (+38 gegenüber 31.12.2025: 257). Auch das ist kein Netzwachstum, sondern die Vollintegration des Netzes von Varo Energy Direct, das Hoyer bereits 2024 erworben hatte. Bei den übrigen mittelständischen Marken gab es keine nennenswerten Veränderungen: Raiffeisen (796) und Classic / Lühmann (204) runden ihre Netze weiter ab.
Bedeutsam für die mittelfristige Netzstruktur ist die im Juli 2026 bekanntgegebene Übernahme der Oil!-Tankstellen durch Eni: Der britische Konzern Prax, der die Oil!-Stationen bislang belieferte, zieht sich aus dem deutschen Retail-Geschäft zurück; 320 Stationen aus der D-A-CH-Region und Dänemark kommen ins Eni-Reich. Das Eni / Agip-Netz wächst damit von 477 auf knapp 700 Stationen; der Deal steht noch unter Behördenvorbehalt. Dazu ist bekannt geworden, dass die 81 BayWa-Tankstellen ebenfalls zum Verkauf stehen, allerdings voraussichtlich erst 2028 / 2029.
Der Bestand der Autobahntankstellen ist auf 358 Stationen gestiegen (plus zwei gegenüber Jahresende 2025), nachdem die Raststätten Sauerland Ost und -West nach dreijähriger Schließung (A45-Sperrung am Rahmedetal) im Februar wieder eröffnet wurden. Shell führt die Belieferungsstatistik mit 74 von T&R gemeldeten Einlieferungen an, gefolgt von Uniti (50) und Aral / BP (50). Der EID weist dabei auf eine für unsere Mitglieder und die Öffentlichkeit aufschlussreiche Besonderheit hin: Die von T&R gemeldeten Zahlen und die von den Gesellschaften selbst gemeldeten Einlieferungen weichen erheblich voneinander ab, weil Shell-gebrandete Stationen teils von Shell betrieben und geliefert werden, teils nur von Shell betrieben, teils nur gebrandet, aber von Dritten beliefert werden. Die tatsächlichen Kraftstoff-Lieferbeziehungen an Autobahnen sind damit für Außenstehende kaum nachvollziehbar. Beim Wettbewerb um Autobahn-Ladesäulen wurden die Karten nach einem Gerichtsurteil vom März 2026 (Klage Tesla und Fastned) neu gemischt: Die Autobahn GmbH muss Ladesäulen künftig getrennt von den Raststätten-Konzessionen ausschreiben.
Weiter rückläufig ist die Zahl der Autogasstationen: Mit 5.474 Stationen zum 30.6.2026 setzt sich der Schrumpfungsprozess fort. Shell und Sprint / Go geben die meisten LPG-Standorte auf. Leichte Zuwächse melden Esso, Eni / Agip und Aral / BP. Angesichts fehlender Fahrzeugneuzulassungen mit LPG-Antrieb kann der Rückgang insgesamt nicht überraschen
Beim CNG-(Erdgas-)Netz gibt es eine besondere Entwicklung: OG Clean Fuels (OrangeGas) wächst zum 30.6.2026 auf 170 Stationen (+14 gegenüber Jahresende 2025); allein im ersten Halbjahr kamen 24 öffentliche CNG-Standorte hinzu. Das Rezept: konsequente Ausrichtung auf LKW-Versorgung mit erheblich höherem Durchsatz als PKW-Stationen. Vom deutschen (Bio-) CNG-Gesamtabsatz von 110.000 Tonnen im Jahr 2025 entfallen bereits rund 23 Prozent auf OG. Der gesamte Bio-CNG- und Bio-LNG-Absatz wächst in Deutschland kräftig – der LNG-Markt ist inzwischen praktisch vollständig auf Bio-LNG umgestellt.
Die Situation beim Wasserstoff bleibt schwierig: Wie wir bereits früher berichtet haben, ist die Zahl der 700-bar-Pkw-Stationen auf 70 gesunken (01.01.2025: 76; 01.01.2024: 94). H2 Mobility hatte im letzten Halbjahr über 20 Stationen geschlossen. Das Schwerverkehrs-Segment (350 bar) bleibt dagegen stabil bei rund 50 Stationen.
Der Automatisierungsgrad steigt bei mehreren Gesellschaften deutlich: Orlen / Star hat seinen Anteil unbemannter Stationen auf fast zwölf Prozent mehr als verdoppelt. Esso / EG kommt auf zehn Prozent (+62 Prozent gegenüber dem Jahresende 2025), Westfalen AG ist nun zweistellig (10,2 Prozent). Der Trend zur Automatisierung ist sicher auch eine Reaktion auf den steigenden Mindestlohndruck.
Die öffentliche Ladeinfrastruktur wächst ungemindert: Zum 1. September 2026 zählt die Bundesnetzagentur 209.098 Ladepunkte (+22.647 gegenüber dem Vorjahr), davon 17.049 UltraSchnelllader (>149 kW). EnBW Mobility+ bleibt klar die Nummer eins (11.318 Ladepunkte, +15 Prozent); Eon Drive ist erstmals an Tesla vorbeigezogen und belegt Rang zwei (5.429 Punkte). Die Marktstruktur verändert sich stark durch Netzkäufe: Cubos hat in 2026 vier B2B-Ladenetze übernommen und kommt auf 16.000 Ladepunkte; Statkraft trennt sich von Mer Germany (künftig Eviny); EVN kauft das BayWa-Ladenetz. Für weitere Details beachten Sie bitte die aktualisierten Tabellen, welche auf www.kfz-bw.de/monatsdienst heruntergeladen werden können.