Wer nicht „Spezifischer Volkswagen Group Experte Kleben“ ist, darf innerhalb der VW-Gruppe bestimmte Modelle nicht kleben – weder Längsträger noch Windschutzscheiben. Dies betrifft auch jeden freien Betrieb oder Autoglaser, der eine Ersatzverglasung an einem neueren Audi, Seat (Cupra), Skoda bzw. Volkswagen Pkw/Nutzfahrzeug vornimmt.
Generell verlangen Fahrzeughersteller beim Austausch geklebter Scheiben die Einhaltung der DVS-Richtlinie 3311 (DVS = Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V.). Diese fordert von jedem Betrieb eine schriftlich bestellte Klebeaufsichtsperson (KAP), welche nachweislich klebetechnisch geschult sein muss (z. B. durch herstellereigene Lehrgänge oder externe DVS-Kurse).
Mit der Einführung der neuen Norm ISO 21368 im Jahr 2024 wurde jedoch die qualitätsgerechte Ausführung lasttragender Klebungen neu ausgestaltet. Die neue Norm regelt die gesamte Prozesskette, von der Entwicklung über die Fertigung bis zur Instandsetzung. Und sie fordert den Nachweis qualifizierten Personals. Die VW Group nahm dies zum Anlass, sicherheitsrelevante Klebeverbindungen nur noch durch speziell geschultes Fachpersonal gemäß ISO 21368 vornehmen zu lassen. Dazu bietet VW interne viertägige Lehrgänge zum eingangs erwähnten „Volkswagen Group Klebeexperte“ an.
Der Bundesverband Autoglaser e. V. (BV Autoglaser) hat auf die neue Qualifikationsvoraussetzung bereits reagiert und bietet seit Anfang 2026 den dreitägigen Lehrgang „Klebtechnik in der Fahrzeugverglasung“ an, welcher ebenso wie der Klebeexperte der VW-Gruppe auf der ISO-Norm 21368 basiert. Allerdings sind die Inhalte rein aufs Scheibenkleben beschränkt, weshalb der erworbene Titel „Klebepraktiker Fahrzeugverglasung“ klar umrissen ist.
Gewiss müssen Kfz-Techniker bereits heute spezifische Trainings für den Umgang mit den hochmoduligen Klebstoffen diverser Hersteller absolvieren, doch ist der VW-Konzern aktuell der Einzige, der die Inhalte der ISO 21368 auch beim Scheibenkleben verlangt. Dass weitere deutsche Hersteller diesbezüglich ebenfalls in den Startlöchern stehen, sollte aber niemanden verwundern.