Beschleunigen chinesische BEV die Mobilitätswende?
Die Elektromobilität kommt deutlich langsamer voran als erwartet. Immerhin ein Drittel der privaten Kaufplaner eines Neuwagens zieht einen batterieelektrischen Pkw (BEV) als wahrscheinlichste Antriebsart in Erwägung. Einer der Hauptkritikpunkte ist nach wie vor, dass bezahlbare BEV auf dem Neuwagenmarkt fehlen. Wäre daher eventuell ein Pkw eines chinesischen Herstellers eine Alternative? In der Regel verfügen diese über elektrifizierte Antriebe und in den Medien werden sie oftmals als günstige Alternative dargestellt. Die Nachfrage nach E-Autos ist jedoch in Deutschland generell eher gering, ebenso die Kenntnis über chinesische Automobilhersteller.
Die Zulassungszahlen bestätigen, dass sie noch in eher kleinen Mengen auf deutschen Straßen unterwegs sind. Insofern tun sich diese Hersteller derzeit noch schwer, ihre E-Fahrzeuge in größeren Stückzahlen abzusetzen.
Im vergangenen Jahr konnten chinesische Automobile durchaus einen Zuwachs an Sichtbarkeit im Straßenverkehr verzeichnen. Dies wurde durch ausgeprägte Marketingmaßnahmen weiter gesteigert, die Meinungen der Endverbraucher sind jedoch noch verhalten. Sowohl die Kenntnis aber vor allem auch die Wahrnehmung befinden sich noch im ausbaufähigen Bereich. Dennoch können sich immerhin 40 Prozent der Endverbraucher wenigstens theoretisch ein solches Pkw-Modell beim nächsten Autokauf vorstellen.
BEV werden zunehmend in Betracht gezogen
Die Wahl der Antriebsart ist aktuell für viele Pkw-Kaufplaner herausfordernd. Betrachtet man nur batterieelektrische Pkw, so würden 34 Prozent der Neuwagenkaufplaner zumindest wahrscheinlich diese Antriebsart wählen. Von den Gebrauchtwagenplanern wären es zwölf Prozent. Zwar steigt das Interesse, dennoch gibt es einige Zweifel: 66 Prozent der Pkw-Kaufplaner geben an, dass ihnen derzeit bezahlbare BEV auf dem Neuwagenmarkt fehlen. 60 Prozent von ihnen sind der Überzeugung, dass ein BEV keine Option ist, solange nicht zuhause geladen werden kann. 57 Prozent meinen, dass weniger eine Kaufpreisförderung als vielmehr vergünstigte und einheitliche Strompreise für sie relevant beim Kauf eines BEV wären.
Chinesische Pkw-Marken in Deutschland noch unterrepräsentiert
Von Januar bis August 2025 wurden rund 1.875.000 Pkw in Deutschland neu zugelassen. Gut 37.000 Pkw davon trugen dabei eine chinesische Marke. Das entspricht einer Wachstumsrate von 68 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein beachtlicher Anstieg, insbesondere wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Gesamtmarkt im gleichen Zeitraum um zwei Prozent sank. Aber auch wenn die chinesischen Pkw-Marken oftmals als günstige Alternative dargestellt werden, scheinen sie dennoch den Endverbraucher noch nicht vollständig zu überzeugen. Ihr Marktanteil liegt trotz des Wachstums gerade einmal bei insgesamt zwei Prozent. Die wenigsten dieser Pkw gehören allerdings einer Privatperson. Zwei Drittel aller Neuzulassungen chinesischer Pkw-Marken waren gewerblicher Natur.
Bekanntheit chinesischer Pkw-Marken durch Werbung und Wahrnehmung geprägt
Auf die Frage, welche chinesischen Pkw-Marken der Kaufplaner kennt, kamen viele Antworten. Mit 41 Prozent war BYD am bekanntesten. Mit deutlichem Abstand folgte Nio mit zwölf Prozent. Alle weiteren Marken befanden sich im einstelligen Prozentbereich. Bei der gestützten Abfrage – der Pkw-Kaufplaner bekam eine Liste mit den Marken vorgelegt – landete ebenfalls BYD an erster Stelle (65 Prozent), gefolgt von Polestar (53 Prozent), Nio (36 Prozent), MG (23 Prozent) und Xpeng (19 Prozent). Auffällig ist hier die Marke Polestar, die gestützt hohe Bekanntheit auf sich vereint. Ungestützt erreicht sie nur einen niedrigen einstelligen Bereich. Eine mögliche Erklärung: Viele Endverbraucher scheinen die Marke nicht zu den chinesischen Pkw-Marken zu zählen.
Einschätzung der Endverbraucher gegenüber chinesischen Pkw-Marken eher verhalten
Nur zehn Prozent der Pkw-Kaufplaner haben bereits selbst Erfahrung mit chinesischen Marken gesammelt, sei es durch Probefahren oder durch Mietwagen. Mit 37 Prozent hat mehr als ein Drittel diese Pkw bereits auf der Straße wahrgenommen und fast genauso viele (35 Prozent) gaben an, diese in den Medien bereits beobachtet zu haben. Auf die Frage, ob beim nächsten Autokauf rein theoretisch ein chinesischer Pkw in Frage käme, verneinten dies die Hälfte. Weitere zehn Prozent sind unentschieden und die restlichen 40 Prozent können sich das eher oder definitiv vorstellen. Dies zeigt deutlich, dass ein beachtlicher Teil der Pkw-Kaufplaner chinesische Marken bereits in ihrem Mindset haben.
Meinung zu chinesischen Herstellern bei Pkw-Kaufplanern noch nicht gefestigt
Eine klare Tendenz und Meinung zu Pkw-Marken aus China herrscht bei den Pkw-Kaufplanern noch nicht. Keines der abgefragten Statements konnte eine wirklich hohe Zustimmung auf sich vereinen: Unter den gewählten Statements wurden die Endverbraucher gebeten, einer oder mehreren Aussagen zuzustimmen. 34 Prozent begrüßen den Wettbewerb, sie sehen darin Vorteile für Verbraucher. Fast genauso viele (33 Prozent) sind skeptisch hinsichtlich Qualität und Zuverlässigkeit der chinesischen Pkw-Marken. Mit 31 Prozent gaben nur geringfügig weniger an, dass sie es vorziehen, sich an etablierte Hersteller zu halten. Und nur knapp ein Viertel (23 Prozent) ist zuversichtlich, dass sich etablierte Hersteller auch in Zukunft gegen die chinesischen Hersteller behaupten können.
Die ausführliche Darstellung der einzelnen Themen findet sich unter DAT Barometer Oktober 2025.